Das 1984 entwickelte Lichtsystem »YaYaHo«, eines der ersten Niedervolt-Seilsysteme für Halogenreflektoren © Ingo Maurer GmbH

»Ingo Maurer intim. Design or what?«

Die Überblicksschau spricht die Sicht des kürzlich verstorbenen Designers auf seine Arbeit an.

Mit der Ausstellung Ingo Maurer intim. Design or what? präsentiert Die Neue Sammlung – The Design Museum das Werk des vielfach ausgezeichneten und international renommierten Lichtgestalters Ingo Maurer und führt in seine faszinierende Welt des Lichts und Schattens ein. In enger Zusammenarbeit mit Ingo Maurer und seinem Team entwickelte Die Neue Sammlung – The Design Museum eine Überblicksschau von frühen Entwürfen bis hin zu aktuellen Leuchten anhand von mehr als 80 Objekten sowie Skizzen, Modellen und Fotografien.
Bedauerlicherweise verstarb Ingo Maurer kurz vor der Ausstellungseröffnung. Ingo Maurer (1932, Insel Reichenau, Bodensee – 2019, München) widmete sich seit 1966 fast ausschließlich dem Licht und gestaltete mit der Lampe »Bulb« sein erstes bekanntes Statement in Form einer ikonenhaften Glühbirne. Seitdem entwickelte er mit seinem Team in seiner Münchener Firma komplexe, raffinierte und aufwendige Lichtobjekte und Beleuchtungskonzepte für private und öffentliche Räume sowie spektakuläre Unikate. Seinen internationalen Durchbruch hatte Maurer mit dem 1984 entwickelten Lichtsystem »YaYaHo«, eines der ersten Niedervolt-Seilsysteme für Halogenreflektoren. Bekannt sind bis heute viele seiner Leuchten, unter anderem »Zettel’z« von 1997, die der Nutzer selbst mitgestalten kann. Seine »EL.E.DEE« aus dem Jahre 2001 gilt als erste LED-Tischlampe. 2008 entwickelten er und das Unternehmen Osram mit »Early Future« die weltweit erste serienreife OLED-Leuchte.

Ingo Maurer intim spricht die Sicht von Ingo Maurer auf seine Arbeit an. Er entwickelte in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern »im Team« jeden Schritt von der Skizze zum Produkt bis zum Verkauf. Design or what? öffnet ein Spannungsfeld zwischen Design, Kunst und Architektur. Denn bei Maurers Objekten stellte sich vielfach die Frage, wie – wenn überhaupt – sie sich stilistisch kategorisieren lassen. Das bot Maurer eine große Freiheit, da keine Disziplin eine Erwartungshaltung an ihn hat. Dieser Freiraum zeigt sich in seiner Beweglichkeit und Unvoreingenommenheit, Materialien wie Porzellan, Plastik, Papier oder Gold ungewöhnlich anzuwenden und technologische Neuheiten wie Halogen oder OLED einzusetzen.

Neben Material und Technik sind ihm unspektakuläre Momente des Alltags Inspirationsquellen, um neue Lichtsituationen entstehen zu lassen. Experimentierfreude und Verspieltheit zeigen sich im Spektrum von Eleganz, Schlichtheit, Manierismus, Konstruktion und Humor. Letzterer spiegelt sich in feinsinnigen und lautmalerischen Produktnamen aus unterschiedlichen Sprachen, für die er eine Vorliebe hatte. Letztlich aber steht in seinen Entwürfen nicht die Form im Vordergrund, sondern die Qualität des Lichts und seine Wirkung auf den Menschen und den Raum. Maurer erzeugt Emotionalität und Atmosphäre und strebt eine Symbiose aus Technik und Poesie an.

Mit Ingo Maurer und seinem Team wird – nach Konstantin Grcic, Werner Aisslinger, Hella Jongerius & Louise Schouwenberg und Friedrich von Borries – die Reihe zeitgenössischer Positionen in der Paternoster-Halle fortgesetzt, zu der Die Neue Sammlung – The Design Museum seit 2015 jährlich internationale Protagonistinnen und Protagonisten des Designs einlädt. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation bei Koenig Books, gestaltet von Petra Lüer, Wigel.

Im Mai 2019 entwickelte Ingo Maurer im Auftrag der Neuen Sammlung mit dem Pendulum eine ortsspezifische Installation für die Rotunde der Pinakothek der Moderne, die bis Februar 2020 zu sehen sein wird.


15. November 2019 bis 18. Oktober 2020, Pinakothek der Moderne, Die Neue Sammlung – The Design Museum. Infos: www.die-neue-sammlung.de.

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