Probenarbeit zur Eröffnungspremiere »Dantons Tod«: Juan Carlos Falcón (Hérault de Séchelles), Mathias Hausmann (Georg Danton), Statisterie © Christian Pogo Zach

Großes Drama

Zum Saisonauftakt laufen die Proben am Gärtnerplatz in allen Sparten auf Hochtouren. Neben der Musical-Wiederaufnahme der »Gefährlichen Liebschaften« arbeitet Choreografin Erna Ómarsdóttir bereits an ihrer mit Spannung erwarteten Deutung des Ballettklassikers »Romeo und Julia«. Bevor die Liebesirrungen und -wirrungen ihren Lauf nehmen, steht zunächst das Schicksal einer ganzen Nation auf dem Spiel. Wenn Regie-Altmeister Günter Krämer mit seiner Neuinszenierung des Revolutionsdramas »Dantons Tod« an den 100. Geburtstag Gottfried von Einems erinnert.

Während sich das Bayerische Staatsballett unter neuer Leitung derzeit eher auf die großen Klassiker von Petipa bis Balanchine konzentriert, setzt ein paar Straßen weiter das Ballett des Gärtnerplatztheaters seinen ganz eigenen Weg ähnlich konsequent in einer anderen Richtung fort. Frei von Konkurrenzdenken, sondern vielmehr als zeitgenössische Ergänzung und wichtiger Farbtupfer in der Münchner Tanzlandschaft. Gelang der Truppe zum Ende der letzten Saison mit La Strada ein ebenso poetischer wie unter die Haut gehender Theaterabend, der in assoziativen Bildern schwelgte, stehen beim nächsten Projekt des Ensembles nun erneut große Gefühle im Zentrum. Wendet man sich ab 22. November doch mit Romeo und Julia dem wohl berühmtesten Liebespaar aller Zeiten zu, welches nicht nur William Shakespeare oder Leonard Bernstein inspirierte, sondern ebenfalls Sergej Prokofjew in seinen Bann schlug.

Dessen emotional aufgeladene Partitur ist nun ebenfalls der Ausgangspunkt für die Neudeutung der Choreografin Erna Ómarsdóttir, die in ihrer Heimat sonst auch gerne mal mit Indie-Ikonen wie Björk und Sigur Rós zusammenarbeitet oder singenderweise ihre Liebe zu Heavy-Metal-Musik auslebt. Perfekte Voraussetzungen also für einen frischen, unkonventionellen Blick auf diesen zeitlosen Klassiker. Geprägt durch Anne Teresa De Keersmaeker oder den auch in München bestens bekannten Sidi Larbi Cherkoui, in deren Kompanien sie früher tanzte, hat sich die Isländerin mit ihren bildgewaltigen Arbeiten längst selbst einen klangvollen Namen in der internationalen Ballettszene gemacht. So etwa mit umjubelten Gastspielen bei der Biennale von Venedig sowie in London, Hamburg oder Berlin wo man Ómarsdóttir zu einer »echten Naturgewalt« erklärte, in deren Bewegungssprache sich düster-melancholische Momente mit augenzwinkerndem Humor paaren.

Dass Liebesgeschichten gerade auf der Bühne nicht immer gut ausgehen, das dürfte regelmäßigen Theatergängern keineswegs neu sein. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Zuneigung nicht immer erwidert und manchmal sogar ausgenutzt wird. Aber sind wir ehrlich, gerade diese unschönen Facetten zwischenmenschlicher Beziehungen bescheren uns bei aller Tragik eben oft die besten Bühnenstoffe. Und so kehrt bereits eine Woche vor der Romeo-und-Julia-Premiere mit den Gefährlichen Liebschaften zunächst eine andere Produktion um die Irrungen und Wirrungen der Liebe in den Spielplan zurück, die 2015 während der umbaubedingten Wanderjahre im Cuvilliéstheater herauskam und dank hochkarätiger Besetzung damals rasch ausverkauft war.

Wie schon die berühmte Verfilmung, die sowohl Glenn Close als auch Michelle Pfeiffer eine Oscar-Nominierung bescherte, basiert auch die Musicalversion von Komponist Marc Schubring und Texter Wolfgang Adenberg auf dem gleichnamigen Briefroman von Choderlos de Laclos. Wobei der lockere Konversationston der Partitur sich eng an der Vorlage orientiert. Wieder zurück im Stammhaus am Gärtnerplatz gibt es nun noch ein letztes Mal Gelegenheit, dieses Stück zu erleben, das 2015 gleich in fünf Kategorien mit dem Deutschen Musical Theater Preis ausgezeichnet wurde. So durften Schubring und Adenberg unter anderem die Trophäe für das »Beste Musical« mit nach Hause nehmen, während Julia Klotz für ihr bewegendes Porträt der Madame de Tourvel zur »Besten Darstellerin« gewählt wurde. Neben ihr sind bei der Wiederaufnahme aber selbstverständlich auch die beiden Publikumslieblinge Armin Kahl und Anna Montanaro wieder mit von der Partie, um noch einmal in die Paraderollen des Verführers Valmont und der intriganten Marquise de Merteuil zu schlüpfen, die ihnen das Autorenteam auf den Leib geschneidert hat.

Tobias Hell

Das Interview mit Regisseur Günter Krämer zu Dantons Tod finden Sie in der Ausgabe APPLAUS 10/2018

Dantons Tod. Oper von Gottfried von Einem, Premiere am 11. Oktober; Gefährliche Liebschaften. Musical nach dem Roman von Choderlos de Laclos, Vorstellungen am 17., 18., 20., 21. und 23. Oktober; Romeo und Julia. Ballett von Erna Ómarsdóttir, Premiere am 22. November.

Staatstheater am Gärtnerplatz. Karten: Tel. (089) 21 85 19 60 oder gaertnerplatztheater.de.

 

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