Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra (hier mit den Solisten Christian Gerhaher und Magdalena Kožená in der halbszenischen Aufführung »Pelléas et Mélisande«) © Tristram Kenton

Die Briten kommen

Wenn das London Symphony Orchestra und sein neuer Chefdirigent Sir Simon Rattle im Mai 2019 ihr erstes München-Gastspiel bei der musica viva geben, dann ist dies der räsonanz – Initiative der Ernst von Siemens Musikstiftung zu verdanken. Auf dem Programm stehen Werke der Komponisten Sir Harrison Birtwistle, Mark-Anthony Turnage und John Adams.

Räsonanz ist ein assoziationsreiches Kunstwort, das als Bedeutung »Vernunft« gleichermaßen umfasst, wie es (nach lat. »resonare«) »Widerhall, Anklang, Verständnis, Wirkung« bedeuten kann. All das schwingt mit, wenn die Ernst von Siemens Musikstiftung erklärt: »räsonanz fordert heraus, räsonanz fordert ein und räsonanz fördert: die Bereitschaft sich einzulassen auf das Ungewohnte und die Wahrnehmung des Neuen in der Musik.« Neben der Förderung junger KomponistInnen und der Vergabe eines hochdotierten Musikpreises seit Jahrzehnten ermöglicht die Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern Lucerne Festival und musica viva des Bayerischen Rundfunks seit 2016 jedes Jahr ein Konzert in München und Luzern, in dem Werke der Gegenwart von internationalen Spitzenorchestern und namhaften Solisten zur Aufführung gebracht werden. Und so heißt es weiter: »Gesellschaftliche Relevanz und künstlerischer Anspruch, wagemutige Perspektivwechsel und die Schönheit des Unerhörten – das alles schwingt mit, wenn die zeitgenössische Musik ihre Grenzen definiert, auslotet, überschreitet.«

Die musica viva, die hier als Veranstalter fungiert, hat immer wieder große, bedeutende Dirigenten und Orchester eingeladen, die auf Augenhöhe mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks agieren, das sich seit der Gründung der Reihe durch Karl Amadeus Hartmann nach dem Zweiten Weltkrieg neben der klassisch-romantischen auch der zeitgenössischen Musik oftmals in anspruchsvollen Uraufführungen widmet: so die Berliner Philharmoniker unter Karajan oder das Ensemble intercontemporain und das BBC Symphony unter Boulez. Daran knüpfen die Stifterkonzerte an und deshalb passen SWR Sinfonieorchester Baden- Baden und Freiburg, das in dieser Konstellation sein letztes Konzert in München spielte, Mahler Chamber Orchestra und Chamber Orchestra of Europe, die von 2016 bis 2018 in München die räsonanz – Stifterkonzerte bestritten, oder jetzt das London Symphony so gut in diese Premiumreihe, was zeitgenössische Orchestermusik angeht.

Sir Simon ist die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ein großes Anliegen und so hat er für seinen ersten Auftritt mit dem London Symphony Orchestra in München, dessen Chefdirigent er seit dieser Spielzeit ist, ein ambitioniertes, aber spannendes, mehrheitstaugliches und sinnliches Programm für die Philharmonie zusammengestellt, das mit Mark-Anthony Turnage einen Komponisten präsentiert, dessen immer wieder – kürzlich auch von der Bayerischen Staatsoper – erfolgreich nachgespielte Ödipus-Oper Greek 1988 bei der ersten Münchner Biennale für neues Musiktheater uraufgeführt wurde, oder Harrison Birtwistle, der 1995 den Ernst von Siemens Musikpreis in München erhielt. Über sein halbstündiges The Shadow of Night schrieb er: »Ich erhielt Inspiration von zwei dunklen Quellen, Albrecht Dürers Stich Melencholia (1514) und John Dowlands berühmtem Song In Darkness Let Me Dwell, dessen erste drei Noten ich in der Piccolo-Flöte kurz nach Beginn des Stücks zitierte. Dieses Motiv, das einen Halbton nach oben und dann wieder nach unten geht, ist eingewoben in die Faktur des Stücks und auch anderweitig angedeutet: Linien splittern und vereinigen sich wieder, die Töne eines Akkords entfernen sich und kehren zurück, längere melodische Phrasen werden unterbrochen und setzen sich fort, wie bei einem Mond, der durch eine Reihe langsam vorbeiziehender Wolken scheint.«

Klaus Kalchschmid

 

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Ausgabe APPLAUS 11/2018.

musica viva des Bayerischen Rundfunks. räsonanz – Stifterkonzert der Ernst von Siemens Musikstiftung. 2. Mai 2019, 20 Uhr, Philharmonie im Gasteig. Karten: Tel. 08 00- 59 00 5 94 und München Ticket. Online-Buchung: shop.br-ticket.de.

 

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