Georgiana Houghton: The Flower of Samuel Warrand, 1862, Victorian Spiritualists' Union, Melbourne © VSU

Im Reich medialer Magie

Die Ausstellung »Weltempfänger« im Kunstbau präsentiert Werke und Botschaften von drei Künstlerinnen aus Großbritannien, Schweden und der Schweiz, die sich als Medien verstanden, angereichert um Experimentalfilme von drei Kunstschaffenden aus den USA.

In den bereits fernen analogen Zeiten verstand man unter einem Weltempfänger einen Radioapparat mit erweitertem Empfangsbereich besonders für Kurzwellensender. Hinter Beromünster, Hilversum, Norddeich, Luxembourg und Moskau sowie anderen Senderorten verbargen sich Geheimnisse und Versprechungen. Oft war der Apparat zudem mit einem Feinabstimmungsanzeiger ausgestattet, der sich »Magisches Auge« nannte. Medien hatten und haben bis heute ihre verborgenen esoterischen und okkulten Seiten. Doch die Ausstellung Weltempfänger im Kunstbau über der U-Bahn-Haltestelle am Königsplatz befasst sich mit Medientheorie auf eine andere Weise. Nicht die Vielfalt technischer Medien der Signalübertragung steht im Vordergrund, sondern Menschen, die sich als Medium verstanden wissen wollten. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts herrscht ein vielfältiges Interesse für alle Spielarten des Magnetismus. Die Romantik lenkt das Interesse an den Vorformen der Elektrotechnik auf die Fernwirkung lebender und verstorbener »Geister« um. Wo die Naturwissenschaft, die sich im 19. Jahrhundert rasant entwickelt, noch nichts weiß, da ahnen Okkultismus und Esoterik bereits eine Menge. Und für den Grenzbereich zwischen sinnlicher und übersinnlicher Wahrnehmung hegen besonders die bildenden Künstler eine besondere Sympathie.

Drei Künstlerinnen – ein Auftrag Hier setzt die Ausstellung im Kunstbau an. Die beiden Kuratoren Karin Althaus und Sebastian Schneider präsentieren Arbeiten aus dem viktorianischen England von Georgiana Houghton (1814–1884), aus Schweden von Hilma af Klint (1862–1944) sowie Werke von Emma Kunz (1892–1963) aus der Schweiz, die durch den Ausstellungsmacher Harald Szeemann in die Kunstwelt eingeführt wurden. Die drei Künstlerinnen verstanden ihre Bildproduktion als Auftrag und sich selbst als Medium, dessen sich höhere Mächte bedienten. Sie sahen ihre Arbeiten auch nicht als Kunstwerke, schon gar nicht als Ausdruck ihrer eigenen Individualität an. Medialität im Sinne von Georgiana Houghton, Hilma af Klint und Emma Kunz bedeutet eine radikale Entsubjektivierung, damit auch die Entlastung von allen individuellen Kreativitäts- wie Originalitätszwängen. Ein Auftrag eint aber die drei, die ansonsten nicht voneinander wussten: die Sichtbarmachung des Unsichtbaren und Verborgenen. Entstanden sind unter diesen Rahmenbedingungen Werke von faszinierender Farbigkeit und Formenfülle. Bei Hilma af Klint ist in manchen Werken der Übergang von der gegenständlich- figuralen Darstellung zum Abstrakten zu beobachten. Bei Georgiana Houghton und Emma Kunz hat sich eine abstrakte, gegenstandsbefreite Bildsprache entwickelt, die sich theosophischen Eingebungen und bei Kunz der Arbeit mit dem Pendel verdankt. Die Schweizerin hat ihre Blätter als Arbeitsmittel verstanden. Letztlich führt in ihren Buntstiftzeichnungen auf Millimeterpapier ein Weg von der Esoterik hinüber zur penibel ausgeführten technischen Zeichnung.

Rüdiger Heise

 

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Ausgabe APPLAUS 12/2018.

Weltempfänger. Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz. Bis 10. März 2019, Di 10-20 Uhr, Mi-So und feiertags 10-18 Uhr. 24.12. geschlossen, 31.12. 10-15 Uhr. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Luisenstr. 33. Tel. (089) 23 33 20 00.

 

Spektrum

Ankunft am Münchner Hauptbahnhof, 1968 © Münchner Stadtmuseum

Sonderausstellung

Migration bewegt die Stadt. Das zeigt auch eine Ausstellung im Stadtmuseum.
Weiterlesen ...

Kinder

Conni und ihre Freunde © Veranstalter

Musical

Kinderbuchfigur Conni erlebt nun auch in der Schule viele Abenteuer.
Weiterlesen ...

Klassik

Sechs MusikerInnen im Alter von zehn bis 17 Jahren stellen sich Anfang Dezember in der Seidlvilla mit einem klassischen Konzertprogramm vor. © Veranstalter

Gemeinsam stark

So könnte man die Idee hinter dem Münchner Pianistenclub wohl am besten zusammenfassen.
Weiterlesen ...

Film

Auf dem Dach des Apartmenthauses, in dem sie arbeiten und leben, genießen Ratna (Tillotama Shome) und Laxmi (Geetanjali Kulkarni) einen Moment der Ruhe © Neue Visionen Filmverleih

Zwei Welten unter einem Dach

Rohena Gera inszeniert in »Die Schneiderin der Träume« eine Liebe, die es so nicht geben darf
Weiterlesen ...

Theater

v. l. Sophie von Kessel, Norman Hacker, Genija Rykovan © Matthias Horn

Zurücklehnen, genießen

Martin Kušej verabschiedet sich mit der Komödie »Der nackte Wahnsinn« vom Residenztheater.
Weiterlesen ...

Tanz

Szene aus »Rubies« mit Nancy Osbaldeston und Osiel Gouneo (c) Wilfried Hoesl

Formale Ästhetik

Balanchines dreiteiliger Ballettabend »Jewels« am Bayerischen Staatsballett
Weiterlesen ...

Jazz etc.

Seinen Spitznamen »Mr. Red Horn« verdankt Nils Landgren seiner roten Yamaha-Posaune © Sebastian Schmidt

Alle Jahre wieder

Bei der sechsten Auflage seines »Christmas With My Friends« verzaubert Nils Landgren wieder alle.
Weiterlesen ...

Vorschau

Schulklasse beim Proben © BR Thorsten Kremer

Kinder

Klassik zum Staunen - Das Kinder- und Jugendprogramm des Münchner Rundfunkorchesters
Weiterlesen ...

Kabarett

Stolze und kritische Bayerin: Luise Kinseher © Martina Bogdahn

Mama Mia Bavaria!

Luise Kinseher stellt ihr neues Programm vor.
Weiterlesen ...

Gastro

Ausschnitt vom Buchcover (c) Volk 2017

Kann Spuren von Heimat enthalten

Buch-Tipp
Weiterlesen ...

Literatur

In München gelandet: die »MS Utting« © Susanne Sanberger

Buch-Tipp

Das Bordbuch MS Alte Utting beschreibt ein außergewöhnliches Projekt.
Weiterlesen ...

Kunst

»Isarfloß«, ein Gemälde des Landschafts- und Marinemalers Claus Bergen (1885-1964) © Hirmer Verlag

Malerei im Blauen Land

Wer zwischen Isar und Loisach künstlerisch tätig war, verrät dieses Buch.
Weiterlesen ...

Aktuelles

Zum Seitenanfang