Bild aus »Unterm Kindergarten«, dem mobilen Theater für Kindergärten (c) Veranstalter

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»Kuckuck«, das Versteckspiel kleinster Kinder, hat dem Festival seinen Namen gegeben. Wie im Spiel dreht sich alles ums Erkunden von Raum, ums Entdecken, ums Spiel und um Neugier. Jetzt geht das Festival für die jüngsten Zuschauer der Stadt in die zweite Runde. Die Schauburg und das Münchner Figurentheaterforum präsentieren vom 20. bis 27. März zehn Produktionen für Kinder bis fünf Jahre aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz.

Hervorgegangen ist das »Kuckuck«-Festival aus dem »Anfänge(r)«-Figurentheaterfestival. Als Andrea Gronemeyer die Intendanz der Schauburg übernahm, kamen die Initiatoren vom Figuren- TheaterForum München auf sie zu mit der Frage, ob sie als Kooperationspartner zur Verfügung stünde. Sie schlug vor, das Festival für andere Theaterformen wie Musiktheater zu öffnen. Also startete im vergangenen Jahr ein komplett neues Festival. Figurentheater ist nach wie vor vertreten, aber eben nicht nur. Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt auf Musiktheater, diesmal ist auch Tanztheater mit dabei. Allen Produktionen gemeinsam ist: »Es geht um eine erste Begegnung mit Theater und um neue Spielformen, bei denen kleine Kinder auf eine besondere Weise einbezogen werden«, erzählt Andrea Gronemeyer. Jeder der Veranstalter, also das Münchner Stadtmuseum, die Evangelische Familien- Bildungsstätte Elly Heuss-Knapp und die Schauburg, hat Produktionen für die jeweilige Spielstätte vorgeschlagen, dann wurde gemeinsam über das Programm beraten. »Etwas zu finden, das man richtig gut findet, war gar nicht so leicht«, so Gronemeyer. »Wir wollen ja zeigen, was State of the Art ist. Ich wünsche mir, dass auch wir als Künstler davon profitieren und von den anderen lernen. Schließlich ist so ein Austausch eine große Chance für das eigene Theater.«

Ein Motto gab es im Voraus nicht, entscheidend war nur die Qualität der einzelnen Produktionen. »Am Ende schaut man sich aber die Auswahl an und sieht dann doch Zusammenhänge«, sagt Gronemeyer. »Es waren viele Genesis-artige Geschichten dabei, viele Künstler beschäftigen sich damit, wie aus dem Nichts etwas entsteht, erkunden Materialien und die ersten Begegnungen von Menschen.« Die Compagnie Le Vent des Forges aus Frankreich erschafft in Não Não eine ganze Welt aus Lehm und lässt sie anschließend wieder verschwinden. In einem kleinen Amphitheater aus Holz und Metall können die Zuschauer eine poetische und humorvolle Performance über die Lust am Matschen miterleben. Die Schweizer Produktion Flow von Puppenspiel.ch erzählt eine Schöpfungsgeschichte mithilfe von Mehl. Mehl, das fliegt, herunterschneit, zu Teig wird und schließlich zu Brot. Das Theaterhaus Ensemble aus Frankfurt am Main spielt mit Anziehsachen: »Es entstehen Persönlichkeiten und Beziehungen, Mann und Frau tauschen die Kleider. Was verändert das? Was definiert mich als Mensch? Ohne Sprache, nur über das Material und das Spiel werden Fragen aufgeworfen und Beziehungen erkundet«, schwärmt Gronemeyer. Viele der Stücke thematisieren räumliche Erfahrungen, spielen mit der Enge des Raumes oder der Getrenntheit von Räumen – und laden dazu ein, Räume anders als funktional zu erfahren. Das Theater De Spiegel aus Belgien ist mit einem Tanztheater für Kinder ab einem Jahr zu Gast: Boks erzählt von zwei Menschen, die in einer viel zu kleinen Kiste miteinander leben, sich irgendwie zusammenraufen. Als ein Dritter hinzukommt, gerät der Mikrokosmos in Un- ruhe: Wie viel Platz ist in der Kiste? Kann man noch einen hineinlassen? »Es ist eine Herausforderung, sich in dieser kleinen Kiste tänzerisch zu bewegen«, so Gronemeyer. »Der Musiker, der hinzukommt, bespielt diese Kiste, verwandelt den ganzen Zuschauerraum in einen Resonanzkörper, umhüllt die Zuschauer quasi mit Percussion.« In Kooperation mit dem Theater De Spiegel wagt sich auch die Schauburg an eine ganz besondere Herausforderung. Als eigenen Beitrag zum Festival produziert das Theater erstmals ein Stück für Babys ab drei Monaten: Lumi – ein »Tanztheater für alle, die noch nicht laufen können«.

Zusammen mit den Antwerpener Experten für ein Publikum unter zwei Jahren wurde zum Thema Licht und Schatten geforscht. In Workshops in Kinderkrippen wurde ausprobiert, worauf die Kinder reagieren, wann sie sich wohlfühlen. »So eine Stückentwicklung entsteht am besten aus der Begegnung von Performern und Kindern «, so Gronemeyer. »Konkret werden immer wieder kleine Kinder auf Proben eingeladen und in der Interaktion lernen die Performer von den Kindern, wie man für diese Theater macht. Eine Art Forschungsarbeit.« Das Festival zeigt die Bandbreite von Theater für die Allerkleinsten – von traditionellerem Figurentheater bis hin zu abstrakteren Produktionen. Damit dieses Jahr mehr Zuschauer kommen können und weniger enttäuscht nach Hause geschickt werden müssen als im vergangenen Jahr, gibt es mehr Vorstellungen. Für Kindergärten, Krippen, Eltern und ihre Kinder.

Anne Fritsch 

Kuckuck – Theaterfestival für Anfänge(r). 20.-27. März, Schauburg – Theater für junges Publikum, Evang. Familien- Bildungsstätte Elly Heuss- Knapp, Münchner Stadtmuseum. Alle Termine unter kuckuckfestival.com.

 

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