Auf ständiger musikalischer Entdeckungsreise: Chris Gall, Mulo Francel, D. D. Lowka, Evelyn Huber und Andreas Hinterseher (v. l.) (c) Franz Heller 

In weiter Ferne, so nah!

Das neue musikalische Projekt von Quadro Nuevo

Volkslied Reloaded« ist für Saxofonist Mulo Francel rückblickend eigentlich eine sehr konsequente Entwicklung, deren Ursprung in der eh schon immer vorhandenen Neugier seines Ensembles liegt. »Wir sind in den letzten zwei Jahrzehnten in so viele Länder und Regionen gereist und haben dort immer wieder neue Menschen kennengelernt, die uns ihre Kultur nähergebracht haben. Da war es schon irgendwie merkwürdig, dass wir gerade das Eigene lange Zeit ausgespart haben.« Ein Gefühl, das vielen bekannt sein dürfte, die im Urlaub wie selbstverständlich Museumsbesuche einplanen, zu Hause aber den nächsten Abstecher in die Pinakotheken oder die Kunsthalle eher auf die lange Bank schieben.

Dass man sich so in der Musik, ebenso wie in der bildenden Kunst, um viele spannende Erfahrungen bringt, das kann auch Francel nicht abstreiten. Warum also singen wir unsere Volkslieder nicht mit einer ähnlichen Selbstverständlichkeit, mit der es unsere italienischen, griechischen oder slawischen Nachbarn vormachen? »Da ist einerseits die Erinnerung daran, wie diese Lieder im Dritten Reich instrumentalisiert wurden. Ich denke, es hängt aber fast noch mehr mit der Biederkeit zusammen, die diesen Liedern durch die Filme der Nachkriegszeit ein wenig anhängt. Wenn da Heinz Rühmann Im Frühtau zu Berge singt, ist das schon manchmal ein bisserl peinlich. Aber andererseits berührt einen oft gerade die Trivialität. So geht es mir zumindest.«

Und ganz ohne Grund haben viele der Melodien, die man im Vorfeld zur neuen Tournee auch auf CD und LP eingespielt hat, schließlich auch nicht bis heute überdauert. Umso größer ist daher die Herausforderung, das umsichtig ausgewählte Liedgut nun in ein neues Gewand zu packen. Gut ein Jahr lang arbeitete Francel im Vorfeld mit seinen Kollegen Andreas Hinterseher und Chris Gall an den Arrangements. »Der Reiz liegt vor allem darin, dass es meist gar keine amtliche, quasi in Stein gemeißelte Version gibt. Jeder hat aber seine eigene vage Vorstellung, wie zum Beispiel Der Mond ist aufgegangen klingen könnte.« Ein Auswahlkriterium war dabei, vor allem jene Stücke zu finden, die sich im individuellen Quadro Nuevo-Stil neu formen ließen, ohne dadurch ihre eigene Identität zu verlieren. »Denn natürlich bedienen wir uns, auch wenn wir deutsche Volkslieder spielen, aus unserem klanglichen Fundus mit südamerikanischen, orientalischen oder mediterranen Einflüssen. Das ist der rote Faden, der sich von Anfang an durch die Arbeit von Quadro Nuevo zieht. Eine Art Fernweh und Sehnsucht nach Orten, die man kennt oder eben noch nicht kennt.» Gute alte Bekannte sind inzwischen die Damen und Herren des Münchner Rundfunkorchesters, deren stilistische Vielseitigkeit und Offenheit Mulo Francel seit Langem schätzt. »Die Arrangements folgen dadurch einem klassischen Duktus, der teilweise auf einen impressionistischen Background zurückgeht. Auf Komponisten wie Debussy und Ravel. Es ist unglaublich interessant, wie die beiden mit Harmonien umgehen. Wir bedienen uns aber auch der Elemente des Jazz und der Minimal Music und improvisieren viel.« Die Solisten von Quadro Nuevo haben sich genau überlegt, welche Instrumente bei welchem Lied dazustoßen sollten.

Für die Truppe ist es bereits das fünfte Orchesterprojekt. Und so kennen sie die eigenen Gesetzmäßigkeiten eines großen Klangkörpers inzwischen sehr genau. »Wir hatten zusammen eine fantastische Aufnahmewoche im riesigen Studio 1 des BR. Alle waren voller Inspiration bei der Sache und spielten die Arrangements voller Leidenschaft. Vielleicht, weil wir kollektiv gespürt haben, dass da ein Schatz mit unserem kulturellen Tafelsilber geborgen wird. Das war oft emotional berührend.« Und so freut man sich bei Quadro Nuevo, dass mit Dirigentin Elisabeth Fuchs am Pult die absolute Wunschkandidatin steht, die durch ihre breit gefächerte Arbeit mit der Philharmonie Salzburg reichlich Erfahrung darin hat, über den klassischen Tellerrand hinauszublicken. »Viele dieser Lieder haben Hunderte von Jahren in der einen oder anderen Form überlebt. Jetzt jedoch könnte die Zeit kommen, in der sie verschwinden, weil sie in diesem riesigen Storm an verfügbaren Informationen untergehen. Auch deshalb hat es uns gereizt, ihnen frisches Blut in die alten Adern zu schießen. 

Tobias Hell

 

Volkslied Reloaded.

Mulo Francel, Saxophon/Klarinette; D.D. Lowka, Kontrabass/Percussion; Andreas Hinterseher, Akkordeon/Bandoneon; Evelyn Huber, Harfe; Chris Gall, Piano.

Münchner Rundfunkorchester; Elisabeth Fuchs, Leitung.

8. Mai, 19.30 Uhr, Prinzregententheater.

9. Mai, 19.30 Uhr, Stadthalle Gersthofen.

10. Mai, 20 Uhr, Forum am Schlosspark Ludwigsburg.

11. Mai, 20 Uhr, Veranstaltungsforum Fürstenfeld.

Karten: Tel. 0800-5 90 05 94 und München Ticket. Informationen unter www.quadronuevo.de

 

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