Hans (Marc Hosemann) und »Heinz« (Laura Tonke) kämpfen mit ihrer kriselnden Beziehung (c) Friede Clausz_Studio.TV.Film GmbH

Endstation Fernsehcouch

»Zwei im falschen Film« erzählt von der Suche eines Paares nach seiner verlorenen Liebe.

Standardmäßig enden die meisten Liebesfilme, ob mit oder ohne Komödienanteil, mit einem Kuss oder einer Hochzeit. Mit der Zeit danach befassen sich vergleichsweise wenige Filmemacher. In ihrem zweiten Film nach der Sarah-Kuttner-Verfilmung Mängelexemplar widmet sich Regisseurin Laura Lackmann diesem Phänomen. Ihr Paar ist seit acht Jahren zusammen und eigentlich »eingespielt«, entdeckt dann aber eine beidseitige Unzufriedenheit ausgerechnet nach dem Ansehen eines Liebesfilms. Der Titel ist Programm.

»Wo kommt denn jetzt plötzlich das Meer her?« Während auf der Kinoleinwand der Abspann läuft, nehmen Hans (Marc Hosemann, Oh Boy) und »Heinz« (Laura Tonke, Hedi Schneider steckt fest) erst mal den gerade gesehenen Film auseinander. »Das war alles so ausgedacht.« »Man kam den Figuren nicht nahe.« »Die Musik finde ich ganz schlimm.« Trotzdem will »Heinz «(die eigentlich Laura heißt) noch den Abspann zu Ende sehen, »aus Respekt«. Was dem aufmerksamen Zuschauer kaum entgehen kann, ist das Detail, dass das Paar eben in der Leinwandschmonzette dasselbe ist wie das auf den Kinosesseln, im Abspann erhascht man sogar den Namen der Regisseurin und gewidmet ist der Film im Film (Titel: Zwei im falschen Film) exakt den beiden Hauptdarstellern. Das lässt vermuten, wie der Film enden könnte.

Rein strukturell entspricht Zwei im falschen Film der klassischen comedy of remarriage, die Regisseurin und Autorin (die übrigens auch einen Roman mit dem Titel Die Punkte nach dem Schlussstrich veröffentlicht hat) gibt sich jedoch viel Mühe, mithilfe des hier wie selten zelebrierten Alltagstrotts die typischen Filmklischees zu dekonstruieren, und das oft mit einer so unerwarteten wie spitzzüngigen Härte. Der eigentliche Konflikt erwächst daraus, dass die Frau mit dem wohl am wenigsten charmanten Spitznamen der jüngeren Filmgeschichte beim beinahe vergessenen Jahrestag-Dinner beim Chinesen von ihrem Exfreund nach der aktuellen Telefonnummer gefragt wird – und die fehlende Existenz auch nur eines Fünkchens von Eifersucht kränkt sie zutiefst. Und wenn dann auch noch auf die Frage »Liebst du mich noch?« das im Kern nur ehrlich gemeinte »Nein, natürlich nicht! Wir sind doch schon acht Jahre zusammen!« folgt, zeigt sich, das zu viel Ehrlichkeit vieles zusammenbrechen lassen kann. Wie zu viel Alltagsintimität, wenn man sich nicht mehr stört, dass der andere noch im Bad steht, während man pinkeln geht.

Für Hans besteht das nicht große, aber akzeptable Glück darin, in Ruhe gelassen zu werden. Einst war er ein bekannter Torhüter, aber seine heruntergefahrenen Ambitionen stören sich nicht daran, dass er nun Teilhaber des Copyshops ist, in dem er schon zu Studienzeiten jobbte. Und er mit »Heinz« preiswert in den angeschlossenen Büroräumen wohnt. Und auch während der Freizeit in den Werbeshirts seines Betriebs herumläuft. Sie indes hat noch Träume von Ehe und Kindern, und man kommt zumindest darin überein, gemeinsam für die Beziehung zu kämpfen, indemman beispielsweise das erste Kennenlernen noch mal gemeinsam nachspielen will (der Co-Chef vom »Copyman« war damals schon dabei, er bringt nur seine aktuelle junge Beischläferin mit).

Für das Feststecken in einer Beziehung findet der Film viele schöne Bilder. Das zwanghafte Im-Kinositzen-bleiben, bis der Abspann zu Ende ist (noch ist es nicht vorbei!). Oder die im etwas angeranzten gemeinsamen Auto feststeckende CD vom Dirty-Dancing-Soundtrack, die so lange in Dauerschleife The Time of our Lives trällert, bis daraus ein sarkastisches »Anti- Liebeslied« wird.

Neben den treffsicheren Dialogen und dem phänomenalen Hauptdarstellerpaar überzeugt der Film durch viele kleine Details und ein größeres Ensemble, das viele Vergleichspaare liefert, deren Vorzeigeglück sich oft als sehr fragil erweist. Besonders, wenn man sich zu viel Mühe gibt, das größere Glück vorführen zu wollen. Letztlich geht es darum, nicht nach dem unrealistischen Hollywood-Ende zu streben, sondern das kleine Glück im »tristen Alltagsscheiß« wiederzuerkennen. Dass Laura Lackmanns Film die beiden Gegenentwürfe in ihrem flapsigen Metaspiel letztlich vereint, mag vielleicht »zu ausgedacht« wirken, doch hier erkennt man nicht nur Wunschträume wieder, sondern die eigenen Erfahrungen mit dem Kampf fürs Happy End – ob mit oder ohne Harfengeklimper und Meerblick.

Thomas Vorwerk

 


Start: 31. Mai

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