Schorsch (Elmar Wepper) trifft nach einer Notlandung den Bauern Hans (Michael Hanemann) (c) Majestic

Abheben in ein neues Leben

Roadmovie in luftiger Höhe: Ein grandios aufspielender Elmar Wepper in »Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon«

Ein Grantler auf der Flucht in einem Roadmovie in luftiger Höhe: Der grandios spielende Elmar Wepper verleiht der unterhaltsamen Geschichte von »Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon« Seele und Tiefe.

Wer etwas findet, ohne bewusst danach zu suchen, darf sich glücklich nennen. So ergeht es dem grantigen und maulfaulen Gärtner Schorsch (Elmar Wepper), der eigentlich schon mit vielen Dingen in seinem Leben abgeschlossen hat – bis zu dem Moment, als der Gerichtsvollzieher einen Kuckuck auf sein klappriges altes Propeller-Flugzeug klebt. In einem Trotzanfall steigt er ein und – der Titel verrät es schon – fliegt davon. Es ist eine ungeplante Flucht auch aus einem Leben mit eingefrorenen Gefühlen, weg von seiner Frau und seiner Tochter.

Man kann einen Protagonisten mit vielen Fortbewegungsmitteln Reißaus nehmen lassen. In einem anderen Buch von Jockel Tschiersch, dem Autor der Romanvorlage für diesen Film, war es eine Planierraupe. Für eine Verfilmung erweist sich ein Flugzeug als viel vorteilhafter, es entstehen wunderbare Landschaftsbilder von oben von Bayern bis Sylt, die der Geschichte etwas Meditatives verleihen. Und das mit dem Klischee vom Fliegen und der Freiheit, das hier bedient wird, ist vernachlässigbar. Sobald der Motor stottert, wird Schorsch mit einer unsanften Landung auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Fliegen kann nur, wer Sprit hat.

Eine Notlandung führt Schorsch zu einer Begegnung mit dem verschrobenen Bauer Hans (Michael Hanemann), der einsam auf einem Gehöft lebt und dem Fremden erst einmal einen Schlafplatz und eine Mahlzeit anbietet. Herrlich anzusehen, wie die beiden da so abends zusammensitzen und Hans wie eine noch verlorenere Version von Schorsch wirkt, der wenigstens sein – jetzt wieder vollgetanktes – Flugzeug hat, um weiterzuziehen.

Nebenfiguren wie diese, die kurz anklingen und in wenigen Momenten viel über gelungene oder weniger gelungene Leben erzählen, sind die emotionalen Highlights in Grüner wird’s nicht …. Manche spielen am Rande der Parodie wie der eigenartige Schlossbesitzer und seine Frau (Ulrich Tukur & Sunnyi Melles), bei denen sich Schorsch als Gärtner Geld für den Sprit für seine Reise zum Nordkap – ein alter Traum, den er wieder zu träumen wagt – verdient. Als Schorsch weiterfliegt, ist er nicht mehr allein. Die Tochter des Adeligen hat sich ihm aufgedrängt und aus Verbundenheit mit jemandem, der sich wie er in der eigenen Familie nicht zu Hause fühlt, nimmt er sie mit.

Die schon in jungen Jahren exzentrische Philomena (Emma Bading von den Usedom-Krimis, hier gereift und in Höchstform) zeigt sich bei ihren Eltern anstrengend-aufgedreht, kindlich-verspielt, penetrant-rebellisch und nach Liebe lechzend. Aber sie sorgt für Witz und manchen guten Spruch: »Wie, du heißt Schorsch? Das ist doch kein Name, sondern ein Geräusch.«

Einige Begegnungen mit interessanten Menschen wie der auf ihre Art sehr weisen Besitzerin eines stillgelegten Flughafens Hannah (Dagmar Manzel) später, wird klar, dass die ganze Reise dazu dient aufzuarbeiten, warum Georg seit Jahren den Mund und das Herz nicht mehr recht aufbekommt. Dabei erhalten auch die verlassene Frau (Monika Baumgartner) zu Hause und die Tochter (Karolina Horster) genug Raum für ihre eigene bewegende Geschichte.

Florian Gallenberger (Oscar-Preisträger 2001 mit dem Kurzfilm Quiero Ser) bringt Figuren mit feinem Humor, einen Helden mit Entwicklungspotenzial und poetisch anmutende Bilder aus der Luft in einem schönen unterhaltsamen Film zusammen. Auf große dramaturgische Einfälle kann er dabei verzichten, die Arbeit erledigen der Hauptdarsteller Elmar Wepper zusammen mit den vielen Nebendarstellern, die eigene Nuancen und Stimmungen mit einbringen und einer kleinen Geschichte über das Leben angenehme Tiefe geben.

Diemuth Schmidt

 


Start: 30 August

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