Großes Bild: Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) in Gefahr ©FX/Amazon Prime

Szenen einer (Spionage-)Ehe

Ausgezeichnet mit dem Golden Globe als beste Drama-Serie: die sechste und letzte Staffel von »The Americans«

Leider passiert es in einem zunehmend gigantischen Serien-Angebot immer mal wieder, dass auch eine außergewöhnliche Serie untergeht. So geschehen bei The Americans (erhältlich auf DVD oder über Amazon Prime) – trotz überragender Kritiken blieben die Zuschauerzahlen bis zum Ende überschaubar. Die titelgebenden »Americans« sind zwei vom KGB zweckverheiratete russische Spione, die schon im Jugendalter während des Kalten Kriegs in die USA geschickt wurden. Mittlerweile leben Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth Jennings (Keri Russell) das Leben einer klassischen mittelständischen Familie. Sie betreiben ein kleines Reisebüro und haben zwei Kinder. Doch der Kalte Krieg wird immer unerbittlicher. Und damit werden auch die zunehmend riskanten Missionen, die der KGB von Elizabeth und Philip einfordert, immer zermürbender. Über sechs Staffeln hinweg wird das Ehepaar Jennings von den Showrunnern Joe Weißberg und Joel Fields an seine äußersten Belastungsgrenzen gebracht. Morden, schlafen mit potenziellen Informanten und nehmen eine irgendwann unübersichtliche Anzahl von weiteren Schein-Identitäten an. Ihre sich ständig wandelnde Beziehung ist dabei das emotionale Nervenzentrum der Serie. Während sich Philip längst mit der kapitalistischen Moderne arrangiert hat, ist Elizabeth immer noch mit jeder Faser Bedienstete von Mutter Russland. Die Fassade einer normalen Familie aufrechtzuerhalten wird zunehmend schwieriger. Vor allem auch gegenüber den eigenen Kindern. Trotz der mitunter fatalistisch-bedrückenden Stimmung lässt die zwischen Familiendrama und Agententhriller changierene Serie einen stets spüren, dass es auch in so einer eiskalten Welt vielleicht zumindest im Kleinen doch noch ein Stück Menschlichkeit geben könnte.  

Ralph Glander

 


 

 

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