Barry (Bill Hader, l. und unten) © HBO

Natural Born Method-Actor

»Barry«, die Comedy um einen Auftragsmörder, der seine Liebe zur Schauspielerei entdeckt.

Der Auftragsmörder, der keiner mehr sein möchte und dadurch in eine existenzielle Krise verfällt – das ist eine Prämisse, die man eigentlich schon oft genug gesehen hat. Und die total selbstreflexive Hollywood-Satire über talentfreie Möchtegernschauspieler? Ebenso.

Wenn man beides aber miteinander kombiniert, klingt das schon interessanter: Der ehemalige Marinesoldat Barry (Emmy-prämiert: Bill Hader) verdient seit seiner Rückkehr aus Afghanistan seinen Lebensunterhalt als buchbarer Killer. Und das zunehmend widerwillig – zur großen Sorge seines Onkels und Vorgesetzten Fuches (Stephen Root). Als Barry im Auftrag der tschetschenischen Mafia einen jungen Schauspielstudenten töten soll, findet er sich plötzlich auf der Bühne wieder und merkt: Er will eigentlich lieber Schauspieler als Killer sein. Talent hat er zwar keines, doch das fällt den dümmlich-egozentrischen Mitstudenten nicht auf und ist dem abgehalfterten und geldgeilen Schauspiellehrer Gene Cousineau (Henry Winkler) egal.

Barry glaubt also seine wahre Berufung gefunden zu haben, doch natürlich muss er nebenher noch ein paar Jobs zu Ende bringen. Und so stapeln sich zwischen den Theaterproben links und rechts immer mehr Leichen, bis Barry irgendwann wirklich nicht nur die Tschetschenen, sondern auch noch die Polizei an seinen blutigen Fersen kleben hat. Was folgt, ist grandios geschriebenes und inszeniertes Serientheater, das sich auf kein klares Genre festlegen möchte: Barry (auf Amazon Prime oder Sky Atlantic) findet immer wieder neue, überraschende Nischen irgendwo zwischen giftiger Showbusiness-Satire und düsterem Thriller- Drama. Diese tonale Unberechenbarkeit macht Barry zu einer der momentan aufregendsten US-Serien.

Ralph Glander

 

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