Midnight Oil (c) John Tsiavis

Stars auf der Wiese

Das Musikprogramm des Tollwood Festivals holt auch heuer Pop- und Rockstars in den Olympiapark.

Leicht dürfte es nicht sein, das Programm für die Musik-Arena auf dem Tollwood-Gelände zusammenzustellen. Nicht nur muss man die finden, die so ein riesiges Zelt mit bis zu 5.000 Plätzen füllen können und im Juli auch verfügbar sind. Die Künstler müssen auch zu dem Festival passen, das ein besonders, alternatives Flair hat. Denn angefangen hat alles vor 31 Jahren mit Kleinkunst in einem kleinen Zelt, die den leicht spinösen Wiesenspaß der grün-alternativen Szene begleitete. Heute bringt Tollwood zwar immer noch in der Kombination aus kultureller Bereicherung, kulinarischem Genuss und politischem Engagement alternative Botschaften unter die Leute – heuer unter dem Motto »Reicht leicht!« –, setzt sich wie eh und je für Klimaschutz, alternative Energien, ökologische Landwirtschaft und den Weltfrieden ein, es ist dabei aber ein echter Großbetrieb. Nicht nur, was die Zahl der bio-gastronomischen und Handwerksstände angeht, es ist inzwischen auch eines der europaweit wichtigsten Sommerfestivals für Cirque Nouveau. Und eben auch für die internationalen Musikstars.

Die größten Zugpferde, so ist das ja seit Längerem in der Musikbranche, sind wieder einmal ältere Herrschaften. Da wären zum Beispiel die australischen Alt-Rocker Midnight Oil (1. Juli) oder die als Studiomusikerband gegründete Achtzigerjahre-Monsterpopband Toto (2. Juli); auch Gordon Sumner, viel besser bekannt unter dem Namen Sting, ist ja schon 68, sein Auftritt mit seinem »My Song«-Programm ist wohl die größte Attraktion – aber eben auch schon lange ausverkauft. Und bei ihm war natürlich kein Zusatztermin möglich, anders als bei der Ersten Allgemeinen Verunsicherung: Die alten Austropopclowns um Klaus Eberhartinger machen jetzt bei ihrer Abschiedstour gleich drei Mal (8., 17. und 18. Juli) im Olympiapark Station.

Nicht auf Abschiedstournee, aber alle auch schon lange im Geschäft sind Gäste wie die wohl erfolgreichste aller Coverbands Walk Off The Earth (26. Juni), NDW-Frontfrau Nena (13. Juli), die Balkan-Bayern Django3000 (4. Juli), der vom Straßenmusiker zu Englands »bestem Solokünstler« aufgestiegene James Morrison (5. Juli), der Klavier spielende Singer-Songwriter Tom Odell (7. Juli), die Gallionsfigur der keltischen Musik Loreena McKennitt (15. Juli) oder Pop-Ikone Alison Moyet, die zusammen mit Tears For Fears auftritt (12. Juli). Dann sind da noch die Tollwood-Veteranen, die einfach nicht fehlen dürfen. Werner Schmidbauer und Martin Kälberer zum Beispiel, die sich ja immer einen Gast dazuholen, diesmal den La-Brass-Banda-Frontmann Stefan Dettl (11. Juli). Oder auch die »lebende Föhnwelle« Dieter Thomas Kuhn, der Großmeister der Schlagerparodie, Kalauerkönig Willy Astor (21. Juli) und das deutsche Hip-Hop-Pop-Singer-Songwriter-Multitalent Max Herre (20. Juli).

Wobei dem aktuellen Pop-Trend folgend ohnehin heuer besonders viele Rapper mit von der Partie sind. Allerdings dem Festivalgeist gemäß keine Gangsterrapper, sondern eher die braven, eher intellektuellen: neben der in den Soul und ins Brass-Genre überlappenden Moop-Mama-Truppe (19. Juli) die Lokalmatadorin Fiva (6. Juli), der nun mit seinem DLX Ensemble antretende Samy Deluxe (3. Juli) und von der Nachwuchsfraktion Yung Hurn (27. Juni), Rin (14. Juli) und für die Allerjüngsten Deine Freunde (30. Juni). So ist wohl für fast alle etwas dabei. Nur der Jazz fehlt heuer komplett – das Genre blüht zwar musikalisch wie nie, hat aber immer weniger Vertreter, die ein Riesenzelt füllen.

 Oliver Hochkeppel


Tollwood Musik-Arena. 26. Juni bis 21.Juli, Olympiapark Süd. Info: tollwood.de, Ticket-Hotline: 0700-38 38 50 24.

 

Zum Seitenanfang