Klavier-Entertainer Martin Schmitt (c) Veranstalter

Münchner Melange 

»Schmittmenge«

»Schmittmenge« heißt die neue Konzertreihe, bei der Piano-­Entertainer Martin Schmitt alle zwei Jahre prominente Gäste zu sich auf die Bühne der Philharmonie holt.

Mit Wuschelkopf, frechem Lachen und den flinkesten Fingern weit und breit erschien vor über 30 Jahren ein junger Gräfelfinger in der bayerischen Blues-und-Boogie-Szene. Zwar trägt Martin Schmitt inzwischen einen modischen Kurzhaarschnitt und wohnt in Weßling, doch an den Tasten ist er mindestens so rasant, geschickt und ausdauernd. Und er hat sein Spektrum im Lauf der Jahre enorm erweitert: Der Soul eines Ray Charles kam dazu, jazzige Popsongs, bald wurde er selbst Singer/Songwriter, von Balladen bis zu funkigen Reißern, was er dank seines Talents für Reim und Dialekte auch zunehmend bayerisch und kabarettistisch unterfütterte. Heute ist er der beliebteste Klavier-Entertainer unserer Breiten, was sich auch in den Gästelisten der Gala-Abende zu seinen großen Bühnenjubiläen spiegelte, auf denen unter anderem Viktoria Tolstoi, Helge Schneider, die Spider Murphy Gang, Claudia Koreck oder Pete York standen. Derart rauschende Abende waren das, dass Schmitt sie nun als Reihe unter dem schönen Titel Schmittmenge alle zwei Jahre in der Philharmonie wiederholt. Im Februar geht es unter anderem mit Hans-Jürgen Buchner aka Haindling, Hannes Ringlstetter und Martin Kälberer los.

APPLAUS: Sie warten jetzt nicht mehr auf ein Bühnenjubiläum, um sich Gäste auf die Bühne zu holen. Wie ist die Idee zu dieser Reihe entstanden?
MARTIN SCHMITT: Die kommt natürlich von meinen Jubiläumsshows zum 20-Jährigen 2006 und zum 30-Jährigen 2016. Bald nach der letzten bin ich mit Nikolaus Schreyer vom Veranstalter Bell’Arte zusammengesessen, der ja ganz wunderbar weiterführt, was sein Vater gegründet hat. Und er sagte knapp: »Wir machen das jetzt alle zwei Jahre.«

Wäre für eine »Reihe« nicht jährlich besser gewesen?
Vielleicht. Aber einmal ist es schon alle zwei Jahre ein relativ sportlicher Anspruch, mehr als 2000 Leute für so eine Geschichte zu begeistern. Außerdem ist es organisatorisch besser zu stemmen: Es gibt viele Künstler, die du nur schwer binnen eines Halb- oder Dreivierteljahreszeitraums buchen kannst, da müsste man konzeptionell ganz anders planen. Bei zwei Jahren Vorlauf ist das entspannter. Außerdem möchte ich zwischendrin mehr auf die Solo- und die rein ­pianistische Schiene, für das sich das Prinzregententheater mehr anbietet.

Das heißt, Sie wechseln durch: In einem Jahr machen Sie die große Gala in der Philharmonie, im nächsten ein Solo im Prinze?
Genau, das ist das, was wir vorhaben.

Wie kommen Sie zu Ihren Gästen?
Da machen sich einmal die Leute von Bell’Arte Gedanken, und ich habe wieder andere Connections, wie zum Beispiel zum Hannes Ringlstetter, den ich schon länger kenne. Ich mag seine Songs, habe das erst wieder in Oberammergau gesehen, und auch seine Art Kabarett. Und ich freue mich, dass er es schafft, obwohl er so viel Fernsehen macht. Er stand ganz oben auf unserer Wunschliste.

Sie haben eine Liste von Gästen erstellt, die Sie in den nächsten Jahren abarbeiten?
Ja, eine ziemlich lange Liste, zwei DIN-A4-Seiten. Mit einigen haben wir auch schon Sondierungsgespräche geführt. Es ist ja nicht für jeden was, manche wollen nicht Gast sein, sondern lieber ihre eigene Show machen.

Als orchestrales Rückgrat ist wie 2016 das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie wie­der dabei. Wie kam es dazu?
Ihr Intendant Mark Mast saß vor ein paar Jahren in einem meiner Konzerte, in Kempten war das, beim Jazz Frühling. Bei dem rannte ich mit meinem Ansinnen offene Türen ein. Ich hatte mir schon immer die Zusammenarbeit mit einem Kammerorchester ge­wünscht. Das ist für mich die perfekte Form, so 14, 15 Streicher, nicht das ganz große Besteck – wobei wir das auch irgendwann einmal machen wollen.

Sieht nach einer fruchtbaren Zusammenarbeit aus?
Ja, es hat sich schnell toll entwickelt. Ich hatte zwei ­Arrangements von Gerd Wilden, dem Filmkomponisten. Ich habe damals den Klavierpart zu seinem Score für einen Klaus-Maria-Brandauer-Zweiteiler eingespielt, dafür hat er mir die Arrangements für Capricorn und Look Ahead gemacht, wir haben das sogar noch mit den Münchner Sinfonikern eingespielt. Das haben wir dann als Erstes für das Kammerorchester eingedampft und dann ein paar andere Stücke draufgesetzt. Jetzt schließt sich natürlich ein Kreis, weil die Philharmoniker ja im vergangenen Jahr schon mit Haindling, also mit Hans-Jürgen Buchner, gearbeitet haben. Er wird aber auch solo spielen, weil er im Sommer ein Solopiano-Album rausbringt. Das ist sozusagen eine Premiere.

Den kennen Sie auch schon länger?
Nein, nicht wirklich. Das kam auch über Mark Mast zustande und über das Management der Spider ­Murphy Gang. Ich wollte ihn schon ewig mal dabeihaben.

Wahrscheinlich gilt das auch für Martin Kälberer?
Ja, und ihn kenne ich auch schon relativ lange. Das ist natürlich ein alter Traum, ihn dabeizuhaben, weil er so ein Wahnsinnspianist ist, aber vor allem, weil er aus einer anderen Ecke kommt. Ich bin natürlich scharf auf Input, Möglichkeiten, neue Welten. Das hat nichts damit zu tun, dass ich meine alten Spielarten nicht mehr praktizieren würde, das mache ich nach wie vor gern, aber gerade für so eine Show suche ich neue Impulse.

So unterschiedlich Sie und Kälberer sind, beide kommen Sie vom Jazz …
Stimmt, wir werden uns da schon treffen, wir haben auch schon das Repertoire aufgeteilt, mit Stücken von mir und von ihm, vor allem in Richtung von Südamerikanischem, das er ja sehr pflegt.

Sie werden also der Moderator sein …
»Host« heißt’s auf Deutsch, glaube ich. … eigene Sachen spielen, aber auch mit den Gästen? Genau, es wird, wie der Wiener sagen würde, eine Melange. Eine bunte Mischung, auch stilistisch. Vom traditionellen Blues und Boogie, etwa mit meinem alten Freund Albert Koch, dem Mundharmonika-Spieler, bis zu ganz neuen Wegen.

Interview: Oliver Hochkeppel

 


»Schnittmenge« – Martin Schmitt & Gäste;
Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie, Mark Mast (Ltg.).

3. Februar, 20 Uhr, Philharmonie im Gasteig.

Karten: MünchenTicket.

 

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