Django Bates, Anouar Brahem, Jack DeJohnette und Dave Holland bilden ein virtuoses Quartett (c) Bart Babinski/ ECM Records,

Am Anfang steht das leere Blatt

Der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem stellt sein neues Album »Blue Maqams« vor

Die Kurzhalslaute Oud ist vielleicht das wichtigste Instrument der arabischen Musik. In nahezu allen Ländern des Orients gibt es eigene Spielweisen, von der andalusisch-maghrebinischen Schule über die ägyptische, die libanesische, die syrische oder die irakische bis zur türkischen. Alle aber nehmen es mit der Tradition sehr genau – Experimente sind eher nicht vorgesehen, diese auf sehr alten Wurzeln ruhende, sehr komplexe Kunstmusik ist kanonartig festgefügt. Und sie funktioniert nach völlig anderen Prinzipien als die westliche Musik: Statt unserer wohltemperierten Tonarten und Tonleitern in Halbtonschritten gibt es dort ein kompliziertes System von »Maqams«: modalen Skalen voller Vierteltöne und Mikrotöne, die keine polyphone Harmonik kennen. Ähnlich wie der gleichalte Libanese Rabih Abou-Khalil und der zehn Jahre jüngere Landsmann Dhafer Youssef (der allerdings ohnehin ein Autodidakt ist) versuchte der 60-jährige Tunesier Anouar Brahem früh, die Fesseln abzustreifen, die die arabische Kultur seinem Oud-Spiel anlegte.

Freilich hat er das Handwerk zunächst gründlich studiert: Bereits mit zehn geht er aufs National-Konservatorium in Tunis, der große Meister Ali Sriti ist sein Lehrer. Mit 15 spielt er in den besten Orchestern des Landes, mit 18 ist er Berufsmusiker, der eigene Stücke schreibt und Ausschau hält nach neuen Anregungen und Formen. Denn das komplexe Feld der Maqamat mit seinen spezifischen Spielanweisungen zu jedem einzelnen Maqâm beißt sich mit seinem Forscherdrang: »Ich hatte das Gefühl«, sagt Brahem, »dass die arabische Musik eine Sorte von Konformismus bis hin zum Kitsch transportiert. Ich wollte Teil einer Erneuerung sein, wollte mithelfen, eine zeitgenössische Ausdrucksform zu schaffen.«

Oliver Hochkeppel

Den Rest des Artikels lesen Sie in der April-Ausgabe von Applaus!


Anouar Brahem mit Django Bates, Dave Holland und Jack DeJohnette: Blue Maqams.

14. April, 20 Uhr, Philharmonie im Gasteig.

Karten: MünchenTicket.

 

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