Seinen Spitznamen »Mr. Red Horn« verdankt Nils Landgren seiner roten Yamaha-Posaune © Sebastian Schmidt

Alle Jahre wieder

Bei der sechsten Auflage seines »Christmas With My Friends« verzaubert Nils Landgren wieder alle.

Als der schwedische Posaunist Nils Landgren in den frühen Neunzigerjahren als einer der ersten Künstler beim Münchner Act-Label unterschrieb, waren weder er noch seine junge Plattenfirma eine große Nummer in der Jazzszene. Gemeinsam aber ging es gewaltig voran. Landgren verpasste dem oft verkopften europäischen Jazz mit der Wiederentdeckung des Funk den nötigen Schuss amerikanischer Natürlichkeit, Kraft und Publikumsnähe. Dazu kam ein nimmermüdes Pensum als Musiker wie als Talentscout, Mentor und Produzent (nicht zuletzt von schwedischen Sängerinnen wie Rigmor Gustafsson), als Band- und Orchester-Leiter (zum Beispiel der Bohuslän Big Band), als Festivalchef (unter anderem beim Jazzfest Berlin) oder als Hochschullehrer, und so wurde »Mr. Red Horn« (den Spitznamen verdankt er seiner roten Yamaha-Posaune) zu einer zentralen Figur der skandinavischen wie der europäischen Jazzszene. Und Act durch ihn und von ihm vermittelte Musiker wie Esbjörn Svensson, Victoria Tolstoy oder Lars Danielsson zum international wichtigsten Label für schwedische Jazzmusiker.

Auch Landgrens Erfolgsgeheimnis liegt in einer Offenheit, die in der Tradition wurzelt. Der Volksmusik seiner Heimat fühlt er sich genauso verpflichtet wie den Fundamenten der europäischen Klassik und des amerikanischen Jazz und Soul. Nur auf dieser Basis konnte und kann er Genre- und Stilgrenzen souverän ignorieren und die unterschiedlichsten Projekte an der Seite von prominenten Kollegen verschiedenster Fächer verwirklichen. In der lange Reihe von Kollaborationen finden sich zum Beispiel Hochdruck-Energetiker wie die Brecker Brothers oder Joe Sample (von den Crusaders), Stars der Musica Popular Brasileira wie Airto Moreira oder Joao Bosco, Pop-Größen wie Benny Anderson (von Abba) oder Ray Parker jr. (Ghostbusters) bis hin zum avantgardistischen Neoromantiker Michael Wollny. Kommt dazu, dass bei Landgren schon immer zwei Seelen in einer Brust wohnten: die des groovenden Action-Helden mit seiner »Funk Unit«, aber auch die des sentimentalen Balladen-Romantikers, was sich umso mehr Bahn brach, seit Landgren die Eignung seiner eigentümlich fragilen Gesangsstimme dafür entdeckte.

Oliver Hochkeppel

 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 12/2018.


Nils Landgren: Christmas With My Friends. 18. Dezember, 20 Uhr, St. Matthäus. Karten: eventim.de. JazzNight: 4 Wheel Drive. Nils Landgren, Michael Wollny, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner. 13. April, 20 Uhr, Prinzregententheater. Karten: München Ticket.

 

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