Seit 40 Jahren im Musikgeschäft: Joe Jackson (c) John Huba

Schöngeist der Arbeiterklasse

Der britische Songwriter Joe Jackson war immer für eine Überraschung gut. Auf seiner »Four Decade Tour« lässt er in der Muffathalle die wichtigsten Stationen seiner Karriere Revue passieren..

In den Siebzigern lebte der in Portsmouth aufgewachsene Joe Jackson in London, Anfang der Achtziger ging er nach New York. Seit vielen Jahren lebt er jetzt in Berlin – schlicht, weil »es nicht so teuer ist«, wie er sagt. »Man hat in London oder New York als Künstler keine Chance zu existieren.« Vielleicht ist Berlin aber auch genau die richtige Stadt für das als britisches Arbeiterkind eingeübte Dauerhadern mit der Welt. Denn wirklich zu Hause fühlt sich Jackson nirgendwo, wie er gerne betont.

Diese Heimatlosigkeit – er erklärt sie selbst durch seine problematische Kindheit mit Asthma, anderen schlimmen Krankheiten und der damit verbundenen Isolation – hat sich schon immer auch auf seine Musik erstreckt. Nie hat er es lange in einem Genre ausgehalten. Ende der Siebziger kam Jackson mit Band und den beiden Alben »Look Sharp!« und »I'm the Man« im damals aufkommenden New Wave-Stil groß heraus. Es folgten Solo – Projekte wie »Body and Soul« oder »Night and Day«, die in die Sparte »Gefühlvolle Pop-Balladen« fielen. Weiter ging es zu Reggae (»Beat Crazy«), Blues und Swing (mit einer Hommage an Ellington), in den Neunzigern wandte sich der Mann mit dem gut gepflegten Außenseiter-Image dann seiner alten Liebe, der Klassik, zu – Beethoven hatte ihn einst als Jugendlichen zur Musik gebracht und er studierte immerhin an der Royal Academy of Music – und gewann für »Symphonie No. 1« einen Grammy.

Seine viel beachtete Autobiografie hatte er da schon geschrieben. Dabei hat der 64-Jährige doch eine musikalische Heimat: das Songwriting. Wie nur wenige besitzt Joe Jackson das Talent, Melodien zu finden, die so eingängig sind, dass man sie auch nach 20 Jahren mitsingen möchte, obwohl sie nicht wirklich einfach, meist irgendwie neben der Spur sind. Und er findet dazu Texte, die aus dem Leben kommen und es bittersüß, wie er es bevorzugt nennt, und gehoben sprachspielerisch abbilden. Eine seltene Symbiose aus Einfache-Leute-Protest und Intellektualität.

Oliver Hochkeppel

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 03/2019.


Joe Jackson: »Four Decade Tour«. 1. April, 20 Uhr Muffathalle. Karten: MünchenTicket.

 

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