Lässt sich nicht in die Jazz-Schublade stecken: die norwegische Sängerin Rebekka Bakken (c) Tina Axelsson

Rebekka Bakken

 Die norwegische Jazz-Sängerin ist stets für eine Überraschung gut  

Sie hat mit Eivind Aarset gespielt, mit Wolfgang Muthspiel und Julia Hülsmann, doch die Bezeichnung Jazz-Sängerin weist Rebekka Bakken vehement von sich: »Ich spiele mit Jazz-Musikern, verstehe selbst aber nichts von Jazz und habe nie wirklich Jazz gesungen. Das hat man mir angedichtet. Ich beherrsche keine Standards, Scatten könnte ich nicht einmal als Witz. Es wäre eine Beleidigung für das Genre, mich diesem zuzuordnen.« Einigen wir uns also darauf: Die 39-jährige Norwegerin mit der glockenhellen, gleichwohl zum Blues fähigen Vier-Oktaven-Stimme schreibt und singt Folk- und Pop-Lieder für Erwachsene. Dass ihre Songs so erwachsen und Jazz-nah klingen, hat womöglich auch damit zu tun, dass Bakken zunächst Philosophie und Wirtschaft studierte und viel herumkam – zum Beispiel lebte sie eine Zeit lang in Wien, spricht seither perfekt Deutsch und verabschiedet sich bei Konzerten im deutschsprachigen Raum gerne mit Ludwig-Hirsch-Zugaben.

Erst 1995, da war sie 25, wandte sie sich ernsthaft der Musik zu – und das in New York, dem denkbar härtesten Pflaster. Doch waltet ja das höchst ungerechte Talentprinzip bei kaum einem anderen Berufszweig so vernichtend wie bei Musikern und ganz besonders bei Sängern: Entweder man hat das besondere Etwas oder eben nicht. Bis zur Bühnenreife lassen sich mit dem entsprechenden Aufwand viele bringen, aber eine unverwechselbare stimmliche Persönlichkeit ist nur wenigen gegeben. Bakken hat sie – und mehr als das, sie hat Charisma. Wie wenige beherrscht sie es, in die Rolle zu schlüpfen, die ein Song verlangt – selbst noch, wenn es Tom Waits ist, wie beim vor vier Jahren mit der HR-Bigband geschmiedeten Projekt »Little Drop of Poison«. Das ist die Grundlage, auf der sie seit ihrem – vom ebenfalls Jazz-nah zwischen allen Genres arbeitenden Bugge Wesseltoft betreuten – Debütalbum 2003 zu einer der erfolgreichsten Vertreterinnen der zweiten Generation skandinavischer Sängerinnen wurde, neben Kolleginnen wie Silje Nergaard und Viktoria Tolstoy. Dazu kommt, dass sie mit ihren Stilwechseln von Jazzigem über Folk und Pop zurück zu Avantgardistischem, mit thematischen Projekten, Standard-Interpretationen oder überdurchschnittlich intelligent betexteten eigenen Songs stets für Überraschungen gut war.

Oliver Hochkeppel

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 03/2019.


Rebekka Bakken. 2. April, 20 Uhr, Muffathalle. Karten: München Ticket..

 

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