Jeder Auftritt ist bei Joe Bonamassa Ausdruck großer Leidenschaft (c) Marty Moffatt 

Dominator des Bluesrock

Joe Bonamassa hat sich eine Ausnahmestellung in der Musikszene erarbeitet

Auf Youtube kann man sich einen alten Beitrag des amerikanischen Fernsehsenders NBC anschauen, in dem ein kleiner Junge etwas ungelenk über den Schulflur läuft. Dazu hört man einen Kommentator sagen: »Wenn er zur Gitarre greift, wird aus dem in der Masse untergehenden Jungen ein Künstler, der die Masse anzieht: Smokin’ Joe Bonamassa. « Der kleine Junge war zu diesem Zeitpunkt 13 und hatte im Jahr zuvor mit B. B. King auf der Bühne gestanden.

Der kleine Joe Bonamassa hatte nämlich nicht nur ein riesiges Talent, sondern auch die nötige Förderung: Sein Vater besaß in Utica, New York, ein Gitarrengeschäft und hatte ihm eigenhändig eine Kindergitarre gebaut. Und er spielte ihm Platten von Stevie Ray Vaughan und den anderen großen Bluesrock-Gitarristen vor. Oder das Video des Cream-Abschiedskonzertes mit Eric Clapton in der Royal Albert Hall, wonach der vierjährige Joe angeblich bereits verkündete, Gitarrist werden zu wollen. Tatsächlich spielte Bonamassa 28 Jahre später selbst in der Royal Albert Hall – und Eric Clapton kam für ein Stück zu ihm auf die Bühne.

Heute, mit 41, hat Joe Bonamassa nicht nur mit fast allen Stars gespielt, er ist nun selbst der strahlendste Stern am Bluesrock-Himmel. Was er nicht zuletzt auch durch seinen Fleiß geschafft hat: Seit 2000 hat er mindestens ein Album pro Jahr veröffentlicht, neben den Solo-Alben auch im Duo mit der Sängerin Beth Hart, mit seinem Quintett Rock Candy Funk Party, das mit 70er-Jahre-Funk, Progressive Rock und ein wenig Jazz liebäugelte, und mit dem Hardrock-Quartett Black Country Communion. »Redemption« ist nun sein drittes Studioalbum in Folge, auf dem ausschließlich Eigenkompositionen zu hören sind. An Inspiration hat es ihm nach eigenen Worten nicht gemangelt: »Es passieren gerade Dinge in meinem Leben, von denen ich dachte, dass ich sie nie erleben würde. Es fühlt sich an wie eine Auferstehung. Ich spüre Reue und Akzeptanz.« Und so schlägt er den Bluesrock-Bogen weiter denn je: Evil Mama ist gleich zum Einstieg ein grooviger Gruß an Led Zeppelin, Just Cos You Can Don’t Mean You Should ist hörbar von Albert King inspiriert, bei Freddie King Boogie und King Bee Shakedown geht es in Richtung Rockabilly, der Titeltrack ist eine rockige, auch von seiner immer markanteren Stimme eindrucksvoll getragene Blues-Hymne, I‘ve Got Some Mind Over What Matters und das rein akustische Stronger Now In Broken Places sind ergreifende Balladen, und mit Pick Up The Pieces schließlich beschwört Bonamassa den Geist von Tom Waits.

Dafür hat Bonamassa einige der talentiertesten Singer/Songwriter/Produzenten aus Nashville um sich versammelt, wie Tom Hambridge, der viel mit Buddy Guy arbeitete, James House, der schon für Rod Steward oder Dwight Yoakum geschrieben hat, den zweifachen Grammy-Gewinner Gary Nicholson, Richard Page von Mr. Mister oder den Sechzigerjahre- Veteranen Dion Dimucci. Eine feste Stütze war natürlich wieder sein langjähriger kreativer Partner Kevin Shirley, der auch zwei von Bonamassas Kollegen ins Spiel brachte: Kenny Greenberg und Doug Lancio. »Zwei zusätzliche Gitarristen mit in der Band zu haben, ist extrem interessant und ermöglicht es mir, auf eine ganz neue Art und Weise zu spielen«, sagt Bonamassa.

Nicht neu sein wird die Leidenschaft, mit der Bonamassa das Ganze in die Olympiahalle trägt. Der legendäre Gitarrensammler – allein von Gibson besitzt er nach eigener Aussage jedes zwischen 1957 und 1969 vorgestellte wichtige Modell – ist nach wie vor süchtig nach dem Auftritt: »Jeden Tag spiele ich anders, die Stimmung ändert sich, die Töne klingen anders. Mein Job ist nie zu Ende.« In diesem Punkt ist er der kleine Junge geblieben, der einfach nur Gitarre spielen will.

 Oliver Hochkeppel


Joe Bonamassa: Redemption. 20. Mai, 20 Uhr, Olympiahalle. Karten: München Ticket.

 

Zum Seitenanfang