Simone Oswald als Lehrerin Erika Roth (c) Christian Kleiner

Im Auftrag Gottes

In der Schauburg regt das Jugendstück »Märtyrer« zum Nachdenken an.

Es beginnt mit dem Schwimmunterricht: Die leicht bekleideten Mädchen verletzen Benjamins religiöse Gefühle. Der Sexualkunde-Unterricht ist ihm zu sündig, der Religionsunterricht zu schwammig. Marius von Mayenburg erzählt in seinem Stück Märtyrer von einem Jugendlichen, der sich christlich radikalisiert, nur noch in Bibelversen argumentiert und sich mehr und mehr aus der Welt, die ihn umgibt, zurückzieht. Er erzählt aber auch von Erwachsenen, die das Problem kleinreden. Weil sie nicht wissen, wie man damit umgeht. Aus Benjamins Spleen wird eine Art göttlicher Auftrag, ein Kampf gegen die Ungläubigen, vor allem gegen seine Bio-Lehrerin, die als Einzige engagiert um ihn kämpft – und sich dabei selbst zunehmend isoliert. Das starke Ensemble kommt in der Inszenierung von Daniel Pfluger direkt auf den Punkt, mit jeder Drehung der Bühne steigert sich Benjamins religiöser Wahn. Eine Provokation folgt auf die nächste, er spielt mit dem allgemeinen Anspruch auf Toleranz, lotet geschickt die wunden Punkte seines Gegenübers aus. Mayenburgs Stück verstört. Weil es unsere Hilflosigkeit sichtbar macht, wenn Argumente nicht ankommen. Weil es vorführt, wie Bequemlichkeit und Chauvinismus dazu führen, dass am Ende die Lehrerin selbst zur Märtyrerin wird. Das Stück zeigt Mechanismen von Provokation, Fanatismus und Eskalation auf, verweigert aber (zu) einfache Antworten. Was bleibt, ist ein großes Unbehagen, ein Nachdenken.    

Anne Fritsch


Marius von Mayenburg: Märtyrer.

Nächste Vorstellung am 25. Januar, 19 Uhr, Schauburg.

Karten: Tel. (089) 23 33 71 55 und unter schauburg.net.

 

 

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