Annette Josef, Intendantin der Münchner Symphoniker, und Chefdirigent Kevin John Edusei (c) Marco Borggreve

Das Orchester von nebenan

Sein eigenes Profil zu entwickeln und sich selbst zur Marke zu machen, das ist für jeden professionellen Klangkörper unverzichtbar. Gerade in einer Stadt wie München, in der gleich sieben Orchester um die Gunst des Publikums buhlen, während sich nebenher auch noch zahlreiche internationale Gastensembles die Klinke in die Hand geben. Für die Münchner Symphoniker lautet die Zauberformel dabei Offenheit und Dialog mit dem Publikum. Ein Orchester zum Anfassen. Und dies nicht nur bei den Education-Programmen für die junge Generation.

E in gutes Beispiel für diese Strategie war jüngst erst wieder die Lange Nacht der Musik, bei der sich die Symphoniker in den Räumen der Stadtsparkasse im Tal in ihrer ganzen Bandbreite präsentierten. Von Schubert und Beethoven über das Cello-Quartett und die Swingband des Orchesters bis hin zum Crossover-Projekt mit der »folklorefreien Volksmusik« von Kult-Kombo Dreiviertelblut, mit der man demnächst eine neue CD herausbringt. Da war nun wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Egal ob man als Besucher nur kurz einen neugierigen Blick hineinwarf, es sich für Schuberts Dritter mal eben auf dem Boden bequem machte oder zu Walzerklängen selbst das Tanzbein schwang. Für Intendantin Annette Josef, die das mehr als vierstündige Mammutprogramm ebenso witzig wie charmant moderierte, »eine Veranstaltung, die wie für uns gemacht ist, weil man hier die beste Gelegenheit hat, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Musik zu machen ist etwas sehr Emotionales. Im Idealfall springt der Funke von allein über. Manchmal muss man den Leuten aber auch erklären, warum man gerade dieses eine bestimmte Stück aufs Programm gesetzt hat. Wenn man vermitteln kann, warum man selbst für etwas brennt, dann ist die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen auch beim Publikum gleich viel höher.«

Dies praktiziert man unter anderem weiterhin mit der »Gelben Couch«, auf der die mitwirkenden Musikerinnen und Musiker bei den Abokonzerten im Herkulessaal Einblicke in das bevorstehende Repertoire geben. Denn auch in der kommenden Spielzeit trägt das Programm wieder die sehr persönliche Handschrift der Intendantin und des Chefdirigenten Kevin John Edusei. So steuert man etwa im Beethoven-Jahr bewusst gegen den Strom. Und dies, obwohl der Komponist in der DNA des Orchesters von jeher fest verwurzelt ist. »Zum Jubiläum ist man ja fast verpflichtet, etwas Spektakuläres zu machen«, wie Edusei einräumt. »Alle Symphonien an einem Wochenende, alle Klavierkonzerte an einem Tag, am besten noch auf dem Einrad dirigiert. Aber das machen ja schon die anderen. Deshalb haben wir uns für einen anderen Weg entschieden.« Nämlich für eine Aufführung von Beethovens Geschöpfe des Prometheus, das hier mit neuen Zwischentexten ergänzt wird, die Schauspieler Stefan Hunstein rezitiert. Er ist aber keineswegs der einzige prominente Name, der sich im druckfrischen Jahresprogramm findet. Da stößt man unter anderem noch auf Publikumslieblinge wie Maximilian Hornung und Herbert Schuch, ARD-Preisträger Diyan Mei oder den neuen ersten Gastdirigenten David Reiland. Eine interessante Mischung, verteilt auf drei Aboreihen. Denn nach einjähriger Abstinenz kehren die Symphoniker 2019/2020 auch zurück ins Prinzregententheater, wo dann ebenfalls wieder das beliebte Überraschungs-»Präludium« als Warm-up zum Konzert lockt.

Präsenz zu zeigen gehört für Annette Josef und ihr Team dabei in allen Spielstätten dazu. Und das nicht nur vor, sondern auch während und nach dem Konzert. »Manche Leute kommen da in der Pause auch einfach nur mal so zum Plaudern bei uns am Stand vorbei und erzählen uns, was ihnen gefällt oder was sie sich wünschen würden. Wir werden da oft gefragt, wie man das Orchester vielleicht noch unterstützen kann. Und da gebe ich immer nur eine Antwort. Am besten unterstützt man uns, indem man sich ein Abo holt. Das ist der schönste Vertrauensbeweis, den man uns geben kann.«

Tobias Hell


Programm und Karten unter muenchner-symphoniker.de und Tel. (089) 44 11 96 26.

 

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