Ein Highlight des Festivals: das Klassik-Open- Air vor dem Kloster Ettal (c) P. MEISEL,

Endlich auf der Zugspitze

Alexander Liebreich leitet wieder das Richard Strauss Festival in Garmisch-Partenkirchen.

Musikalische Wanderungen durch die wilde Partnachklamm oder vom Kramerplateau zur Burgruine Werdenfels, Konzerte auf der Sonnenalm am Wank auf 1780 m und diesmal auch auf fast 3000 m Höhe, also dem Gipfel der gegenüber dem Wank liegenden Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg: Das Richard Strauss Festival atmet erneut tief durch und verschafft der unterschiedlichsten Musik viel frische Luft. Sogar im »Tiefland« sitzt das Publikum draußen: Im stimmungsvollen Innenhof von Kloster Ettal gibt es wieder zwei Open-Air-Konzerte. Beim ersten singt Asmik Grigorian Orchesterlieder von Richard Strauss. Sie war die gefeierte, grandiose Salome in Romeo Castelluccios kühn gelungener Inszenierung von Strauss‘ gleichnamiger Oper bei den Salzburger Festspielen 2018 und verkörpert sie dort auch heuer wieder. Dazu gibt es die populärste Tondichtung von Strauss, Till Eulenspiegel, zu hören und Antonín Dvoráks Symphonie Nr. 8 G-Dur mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Prag, also dem Orchester des Tschechischen Rundfunks unter seinem neuen Chefdirigenten Alexander Liebreich. Tags darauf dirigiert Cornelius Meister, GMD der Stuttgarter Staatsoper, ebenfalls eine Strauss’sche Tondichtung, das verkappte Cellokonzert Don Quixote mit Jean-Guihen Queyras als Solist; dazu gibt es Felix Mendelssohns Schauspielmusik zu William Shakespeares Sommernachtstraum.

Bei Konzert und dreigängigem Dinner auf dem Wank spielt passenderweise ein Schlagzeuger wie Alexej Gerassimez, der sich in »Freier Gegend auf Bergeshöhn«, wie es bei Wagner heißt, gut akustisch behaupten kann. Nach Sektempfang und zwischen bzw. nach den vier Gängen eines Dinners spielt Piotr Anderszewski auf der Zugspitze Präludien und Fugen aus dem zweiten Band von Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier und die große späte Klaviersonate As-Dur op. 110.

Letztes Jahr gab es erstmals Musikalische Wanderungen wie auch dieses Jahr wieder, denn Liebreich versichert: »Ich liebe die großartige Landschaft Garmisch-Partenkirchens und wollte sie immer auch zum Rahmen musikalischer Erfahrungen machen. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg und die mitwirkenden Musiker spielen an ausgewählten Orten Stücke, deren Charakter zur Landschaft passt. So erlebte man rund um die Partnachklamm wildromantische und experimentelle Klänge, an der Ettaler Mühle gab es Musik, die bei ihrer Uraufführung am Wasser gespielt wurde.«

Intime Liedkunst hat freilich nach wie vor Platz beim Strauss-Festival, so innerhalb eines Meisterkurses Gesang mit Dame Felicity Lott, der großen Strauss-Sängerin, aber auch im Liederabend von Golda Schultz auf Schloss Elmau. Kammermusik und Lied stehen im Mittelpunkt dreier Konzerte mit »Rising Stars« der Internationalen Richard-Strauss-Akademie.

Klaus Kalchschmid


Richard Strauss Festival. 21.-29. Juni in Garmisch- Partenkirchen und im Werdenfelser Land. Informationen unter richard-strauss-festival.de. Karten: München Ticket.

 

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