Der japanische Dirigent Tetsuro Ban (c) LECH ZÜRS TOURSMUS GMBH

Klassik am Berg

Ein kleines, feines Festival inmitten grandioser Natur u.a. mit Werken von Haydn und Mozart.

Ich such mir die schönsten Sachen heraus und baue daraus das Festival«, sagt Intendantin und Musikmanagerin Marlies Wagner, die mit dem Dirigenten Tetsuro Ban einen gleichermaßen entflammten musikalischen Mitstreiter gewinnen konnte. Er leitet ein eigens zusammengestelltes Festival-Orchester, das sich aus den renommiertesten, vornehmlich in Wien angesiedelten Ensembles zusammensetzt, in allen fünf stilistisch so unterschiedlichen Programmen. Auch die 24 SängerInnen des Festival-Chors, der dieses Jahr nicht nur in Norma singt, sondern auch eine gewichtige Rolle im Verdi-Requiem spielt, sind handverlesen, »denn in dieser kleinen Besetzung kommt es auf jede Stimme an«, betont Marlies Wagner und fügt hinzu: »Ich kenne jeden Einzelnen! «

Das ist auch beim Orchester so, denn gespielt wird mit klein besetzten Streichern plus einfachem Holz und Blech, also einem etwa 30-köpfigen Kammerorchester. Der 1. Aufzug von Richard Wagners Die Walküre, illuster besetzt mit Christopher Ventris, Linda Watson und Ain Anger, oder Glucks Orfeo ed Euridice, Haydns Schöpfung und das Mozart-Requiem standen schon auf dem Programm. Dieses Jahr ist der Höhepunkt eine auf zwei Stunden gekürzte Norma mit dem Tenor Dmytro Popov – vielbeschäftigt zwischen Berlin, Dresden, München, Wien und der Met in New York – als Pollione und der jungen Koreanerin Jay Yang als seine Norma, eine Oberpriesterin, die der junge römische Prokonsul samt den beiden gemeinsamen Kindern für ein junges Mädchen, die Tempeldienerin Adalgisa, sitzen lässt. Und für diese doppelt verbotene Liebe stirbt dieser am Ende, wieder mit Norma vereint, den Flammentod. Viel Mozart wird dieses Jahr neben Bellini und Verdi gespielt, ob Konzertarien, Oboenkonzert, das Krönungskonzert oder Eine kleine Nachtmusik, denn Wagner weiß, was ihr Publikum in der Urlaubsregion gerne hören möchte: »Und damit dem stilvollen Dinner am Abend im Hotel nichts im Wege steht, beginnen die Konzerte allesamt um 17 Uhr.«

Der Japaner Tetsuro Ban, einst Kapellmeister in Stuttgart und sieben Jahre lang GMD in Regensburg, heute freischaffend und wieder mit Familie in seinem Heimatland lebend, ist der musikalische Spiritus Rector des Lech Classic Festivals. Es ist bewusst kein Kammermusik-Festival, denn »wir möchten keineswegs der benachbarten Schubertiade in Hohenems und Schwarzenberg Konkurrenz machen, die diesbezüglich das ganze Jahr über höchstes Niveau bietet.«

Als gemeinnütziger Verein muss das Festival zwar keine Gewinne einfahren, ist, was die Finanzierung angeht, aber auch ganz auf sich selbst gestellt. Da gibt es zum einen »die große Unterstützung durch Hotels und den Verbund der Pensionen, die die Künstler verwöhnen, wo sie nur können«, und diverse Sponsoren. Überhaupt ist die intime, fast familiäre Atmosphäre in der Kirche und auf ihrem Vorplatz, wo exzellentes Catering die musikalischen durch kulinarische Genüsse ergänzt, oder in den Hotels und Pensionen, wo Künstler beim Frühstück oder Abendessen auf Zuhörer treffen, ein besonderes Pfund, mit dem das Lech Classic Festival wuchern kann.

Klaus Kalchschmid


8. Lech Classic Festival. 30. Juli bis 3. August, Lech am Arlberg. Karten und Informationen: Tel. + 43 5583 2161-0 und unter lech-classic-musicfestival.com.

 

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