Das Münchner Rundfunkorchester im Garten des Prinzregententheaters (c) Felix Broede

Sonntagskonzerte

Opernfans kommen in der nächsten Saison beim Münchner Rundfunkorchester voll auf ihre Kosten.

Schon durch die geografische Nähe zu Italien spielte die Oper von jeher auch in Kroatien eine wichtige Rolle. Wobei man neben den Einflüssen, die über das Mittelmeer herüberschwappten, ebenso die eigenen Traditionen des Landes nicht unterschätzen sollte, wie Ivan Repušić immer wieder betont. Dass die klassische Musik seiner Heimat international nur wenig präsent ist, »daran sind wir, glaube ich, auch ein wenig selbst schuld, weil wir sie gerne als Folklore-Komponisten abstempeln. Natürlich gibt es solche Elemente, aber da steckt noch so viel mehr in dieser Musik.« Ein Klischee, dem es nun mit Ero der Schelm entgegenzuarbeiten gilt. Dass die Wahl dieses schwungvollen Lustspiels aus dem Jahr 1935 auf ihn zurückgeht, mag für viele auf der Hand liegen. Doch ganz so leicht macht es einem Repušić dann doch wieder nicht. »Man könnte meinen, jetzt will der Kroate eben eine kroatische Oper machen, aber tatsächlich hatte das Orchester diesen Titel schon länger auf dem Tisch. Darum musste das Stück, das ich mir eigentlich gewünscht hätte, noch mal ein Jahr warten.« Ein Umstand, den der umtriebige Maestro jedoch gut verschmerzen kann. »Gotovac hat wirklich eine großartige Komödie geschrieben, die in Ex-Jugoslawien zu den meistgespielten Opern überhaupt zählt. Allein in Zagreb hat man dieses Jahr schon die 700. Aufführung gefeiert.«

Schnell hatte das Werk einst auch seinen Weg nach München gefunden, wo es in der Ära von Clemens Krauss große Erfolge feierte, nach dem Krieg jedoch leider ebenso schnell wieder in Vergessenheit geriet. »Eine kulturelle Verbindung zwischen unseren Ländern gibt es aber bis heute. Ich denke, dass das deutsche Publikum viele kroatische Künstler besser kennt als wir selbst.« So etwa den bereits Bayreuth-erfahrenen Tomislav Mužek, der nun in die Titelrolle schlüpfen wird. Ebenso mit dabei ist aber auch der Kroatische Rundfunkchor, dessen Mitwirkung ein weiteres Anliegen des Chefdirigenten unterstreicht. »Wir wollen Brücken bauen. Und Brücken baut man eben nicht nur mit Komponisten, die man aufs Programm setzt, sondern vor allem mit Menschen.« So erinnert sich Repušić gerne an eine Aufführung des Ero, an der er kurz nach Ende des Jugoslawienkrieges Jugoslawienkrieges in Sarajewo mitwirkte. »Wir hatten damals große Bedenken, mit dieser kroatischen Musik nach Bosnien zu kommen, aber die Menschen haben es geliebt, weil es in diesem Werk eben nicht um Politik oder Nationalismus geht. Musik ist eine Sprache, die wir alle verstehen und die uns helfen kann, miteinander zu reden.« Und so wird die Aufführung hoffentlich nicht nur ein Feiertag für Münchens kroatische Gemeinde. »Ich werde trotzdem auch Niko Kovač auf jeden Fall eine Einladung schicken. Ich denke, er könnte da seinen Spaß haben.«

Tobias Hell

Mehr dazu erfahren Sie im aktuellen Applaus-Heft 07-08/2018.


Münchner Rundfunkorchester. Sonntagskonzerte. »Sigismondo«, 14. Oktober, 19 Uhr; »I due Foscari«, 25. November, 19 Uhr; »Zaide«, 20. Januar 2019, 19 Uhr; »Fuoco di gioia!«, 3. Februar 2019, 19 Uhr, Herkulessaal; »Ero der Schelm«, 19. Mai 2019, 19 Uhr; Krassimira Stoyanova, 2. Juni 2019, 19 Uhr; jeweils im Prinzregententheater, wenn nicht anders angegeben. Karten: Tel. 0800- 5 90 05 94.

 

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