Mit der After- Work-Konzertreihe »HörBar« werden auch jüngere Konzertbesucher angesprochen © Münchner Symphoniker

Wolfgang hilft Kevin

Spannende Konzertprogramme, ein Schubert-Projekt für CD und die neue App namens Wolfgang – während eines Abends Konzertführer in Echtzeit: Die Münchner Symphoniker trauen sich was – mit Erfolg.

Wolfgang heißt sie, die neue App aus den Niederlanden, die dort schon erfolgreich in über 200 Konzerten erprobt ist. Aber beim ersten Einsatz für Dvořáks Symphonie Aus der Neuen Welt im Konzert der Münchner Symphoniker – und damit der Deutschland-Premiere – konnte man sich noch nicht so recht an die holprigen bis sinnentstellenden Übersetzungen gewöhnen, die an die blumige Lyrik älterer Konzertführer erinnerte, und dass man auf wohltuend dunklem Hintergrund und in großer Schrift vielfach Banalitäten lesen musste. Für Brittens Sea Interludes im nächsten Konzert klappte das schon besser, und wenn tatsächlich manch ein Konzertbesucher nicht abgelenkt wird, sondern die Erklärungen als Konzentration auf das musikalische Geschehen begreift, dann hat diese App ihre Berechtigung.

Weil die Münchner Symphoniker nicht das klassisch-romantische Allerlei bieten wie andere große Orchester der Stadt, sondern das Besondere mit dem Bekannten mischen, gab es nach Britten noch weitere Werke, die um Meer und eine frische Brise kreisten: so das Violinkonzert TiefenRausch von Christian Jost und Claude Debussys mediterran aufschäumende Tondichtung La Mer. TiefenRausch beginnt mit einem großen Rezitativ der Solo-Violine, als würde ein einsamer, nach oben an die Wasseroberfläche blickender Taucher mit dem wogenden Etwas aus Wasser und Licht verschmelzen. Christian Jost gelingen auch später fantastische musikalische Bilder, in denen manchmal die Solo-Geige fast untergeht angesichts gewaltiger Blechentladungen oder beim Versuch, die unisono mitspielenden Streicher zu führen, an den Rand des Verschwindens gelangt. Oftmals behauptet sich aber Linus Roth mit facettenreich vielfältigem Ton aufs Schönste.

Klaus Kalchschmid


 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft Ausgabe 01/02 2019.

 

Schubertiade. 13. Januar, 11 Uhr, Herkulessaal der Residenz. Herrengedeck. 30. Januar, 20 Uhr, Herkulessaal der Residenz. Karten: Tel. (089) 44 11 96 26 oder unter muenchnersymphoniker. de.

 

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