Josef Bulva, einst tschechisches »Wunderkind « und privilegierter »Staatskünstler« © Veranstalter

Der Grandseigneur

Josef Bulva ist als Pianist, Hobby-Astrophysiker, Zeitzeuge und Mensch eine faszinierende Persönlichkeit. Schwere Unfälle, die jahrelange Klavier-Abstinenz erzwangen, konnten ihn nicht unterkriegen.

Wer Josef Bulva in seiner Suite unter dem Dach eines Münchner Nobelhotels besucht, in der der in Brünn geborene Pianist lebt, wenn er nicht in Monte-Carlo, seinem Hauptwohnsitz, weilt, und viel Zeit mitbringt, der erlebt einen Mann, der unaufgeregt und mit sanft singendem tschechischem Akzent samt stetiger Betonung auf der ersten Silbe seine Geschichten während des Erzählens fließend miteinander verwebt. Der hört einem hellwachen 75-Jährigen zu, der fast ein wenig verwundert auf das zurückblickt, was ihm seit seiner Zeit als Wunderkind und später privilegierter »Staatskünstler« in der Diktatur der Tschechoslowakei und seit 1973 nach seiner Emigration in den Westen widerfahren ist.

Prägend für sein Leben waren freilich vor allem zwei schwere Unfälle: 1971 stürzte Bulva in eine Bergspalte und zog sich unzählige Knochenbrüche zu, 1996 fiel er so unglücklich mit der linken Hand auf unter Schnee im Eis festgefrorene Scherben einer Flasche, dass er lange Jahre glauben musste, nie wieder Klavier spielen zu können, bis ein amerikanischer Chirurg den kleinen Finger seiner linken Hand so operierte, dass er wieder Flexibilität erlangte. Umso faszinierender, wenn Bulva jetzt Alexander Skrjabins eigene Aufnahme von dessen 3. Sonate am Klavier mit den üblichen Arpeggien, also Akkordbrechungen, vortäuscht und es dann genau so akkurat spielt, wie es in den Noten steht. Wunderbar auch, wie er Glenn Goulds Mitbrummen während des extrem langsam gespielten Beginns der Beethoven'schen Appassionata persifliert. Aber er äußert auch seine Hochschätzung dessen luziden Bach-Spiels und stellt fast ein wenig neidisch fest, dass Goulds Stimme so sexy war wie die keines anderen Interpreten.

Klaus Kalchschmid


 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft Ausgabe 01/02 2019.

 

Josef Bulva, Klavier. Mozart, Beethoven, Chopin, Skrjabin. 2. Februar, 20 Uhr, Allerheiligen-Hofkirche der Residenz. Karten: München Ticket.

 

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