Pablo Márquez und Anja Lechner entlocken ihren Instrumenten zarte Klänge © Liv Nickel

Nachtgedanken

Anja Lechner musiziert immer wieder mit dem Bandoneon-Spieler Dino Saluzzi und ist Teil des Tarkovsky Quartet. Jetzt spielt sie, die einst Cellistin des Rosamunde- Quartetts war, im feinen Duo mit dem Gitarristen Pablo Márquez Schubert.

Mit dem Pianisten Misha Alperin und dem Percussionisten Hans-Kristian Kjos Sørensen widmete sich die Cellistin Anja Lechner 2002 im Trio dem achtteiligen, oftmals ganz ätherischen, manchmal fein jazzigen oder auch ausgelassenen Zyklus Night von Misha Alperin für Cello, Klavier, Percussion, Marimba und Claviola, entstanden als Livemitschnitt beim Vossa Jazz Festival in Norwegen. Das titelgebende (Nacht-)Stück ist eine tieftraurige Cello-Elegie, in der eine Schicksalsuhr zu ticken scheint. 2016 erschien unter dem Motto »Nuit blanche« eine faszinierende Aufnahme mit dem Tarkovsky Quartet, in dem Anja Lechner neben dem Pianisten François Couturier, Jean-Marc Larché (Sopransaxofon) und Jean-Louis Matinier (Akkordeon) in Stücken von Couturier spielt, aber auch im Quartett mehrfach großartig improvisiert. Und das bislang jüngste Album aus dem Jahr 2017, in dem sie mal solo, mal im Duo mit der Cellistin Agnès Vesterman Musik von Valentin Silvestrov aufnahm, heißt gar Hieroglyphen der Nacht. Nun also wieder ein Album mit dem Titel Die Nacht. Es ist seit 2001 und der letzten Aufnahme mit Joseph Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze des einige Jahre später aufgelösten Rosamunde- Quartetts die erste Klassik-Aufnahme von Anja Lechner. Wieder - wie 1994 das Rosamunde-Quartett a-Moll D 804 mit ihrem gleichnamigen Ensemble – ist es Franz Schubert gewidmet. Den meisten ihrer nichtklassischen Alben ähnlich, geriet es mit dem Gitarristen Pablo Márquez sehr intim. Das liegt auch an den Liedern Franz Schuberts, die hier in Transkriptionen von Klavier und Stimme für Gitarre und Cello gespielt werden, darunter Nacht und Träume, Die Nacht oder das letzte Lied der Winterreise mit dem Titel Der Leiermann. Vieles kreist hier um den romantischen Topos der »heiligen Nacht«, deren Wiederkehr der Mensch während des Tages ersehnt, wie im magisch harmonisch schwebenden, sehr langsam und pianissimo zu singenden Nacht und Träume.

Klaus Kalchschmid


 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft Ausgabe 01/02 2019.

 

Anja Lechner, Pablo Márquez. Allerheiligen-Hofkirche der Residenz, 23. Februar, 20 Uhr. Karten: München Ticket.

 

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