Dirigent Franz Bader wurde von seinem Jugendorchester auf die Idee gebracht, Videospielmusik einzustudieren(c) Jonas Rickert, Michael Lukaszewski

Musik für Millionen

Klaus Bader präsentiert in der Philharmonie die Musik aus der Fantasyserie »Game of Thrones«
Was vor zehn Jahren noch eine Rarität war, gehört mittlerweile zum Alltag: Filmmusik, die von Symphonieorchestern live präsentiert wird. Einer, der diesen Trend seit Jahren nicht nur verfolgt, sondern mitbegleitet ist der Dirigent Franz Bader. Der einstige Student der Musikhochschule München führt mit Erfolg nicht nur Film-, und Videospielmusik, sondern am 10. März auch den schillernden Soundtrack zur Fantasyserie »Game of Thrones« auf.

APPLAUS: Herr Bader, hat sich ihr Blick auf die immer beliebter werdende Filmmusik im Lauf der Jahre verändert?

FRANZ BADER: Als ich studiert habe, kamen die ersten Star-Wars-Filme heraus. Wir aber an der Uni haben die populäre Musik von John Williams als Abklatsch von Gustav Holst, Wagner und Prokofjew abgekanzelt und gesagt: So etwas interessiert uns nicht. Und genau das Gegenteil ist passiert: Die Leute wollen Star Wars hören und das was viele neue klassische Komponisten sich intellektuell erarbeitet haben wird einmal aufgeführt und bleibt nach der Uraufführung in der Versenkung.

Woran liegt das?

An der selbstverschuldeten Beschränkung der Komponisten. Junge Filmmusiker denken anders, sind offener, ohne Scheuklappen, da sind viele Multiinstrumentalisten dabei, die wie Ramin Djawadi (Anm. d. Red.: Komponist von Game of Thrones) mit ethnischen Instrumenten arbeiten, Stile vermischen oder auch mit elektronischen Instrumenten Spannendes ausprobieren. Die Folge ist, dass man mit solch einem Mix auch ein neues Publikum erreicht.

Was aber sagen Sie zu Kritikern, die behaupten, Filmmusik wäre oft nur »Wagner light«?

Ja, ich kenne die Kritik, sehe das aber inzwischen ganz anders. Nehmen Sie doch mal die Klickzahlen von einem Popsong, der geht bis in die Milliarden. Wenn Sie aber die populärsten klassischen Musiktitel von Beethoven oder Wagner nehmen, dann kommen sie vielleicht auf 200 bis 300 Tausend. Heißt: die klassische Musik erreicht einen Großteil des Publikums, gerade die Jugendlichen, überhaupt nicht mehr. Mein erster Gedanke war dann, dass man mit Musik, die Jugendliche sowieso an ihrem Computer hören wie die Videospielmusik, Kids ins Konzert locken könnte. Und die Ersten sagten dann auch, dass es live viel toller klingt als am Computerlautsprecher.

Hat Videospielmusik den gleichen Effekt wie Musik zu Filmen oder Serien?

Ja. Denn wenn ich diese Konzerte mache, gehe ich davon aus, dass mindestens 95 Prozent der Zuhörer noch nie in einem Konzert von einem klassischen Programm waren – obwohl das Medium, das hier spielt, ein klassisches, ein Symphonieorchester, ist. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: die Leute neugierig machen auf dieses Medium Orchester und dann vielleicht auch den Wunsch erzeugen: Wenn wieder mal was ist, komme ich.

 

Florian Koch

Das vollständige Interview finden Sie in der Ausgabe 03/2019 des Applaus-Magazins.


The Music of Game of Thrones. 10. März, 20 Uhr, Gasteig, Philharmonie Karten: Tel. (089) 559 686 26 oder München Ticket

 

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