Die Operndiva Dorothea Röschmann(c) Harald Hoffmann

13. Münchner Aids Konzerte 

Das Aids-Konzert des Münchener Kammerorchsters ist seit 13 Jahren einer der wichtigsten Benefiz-Abende in München. 

Als Alexander Liebreich, aus Amsterdam kommend, im Herbst 2006 sein Amt als Leiter des Münchener Kammerorchesters antrat, wunderte er sich sehr, dass es in München keine Aids-Gala gab wie in vielen anderen europäischen Städten. Und so wurde schon im Februar 2007 ein erstes Aids-Benefizkonzert mit »seinem« Orchester durchgeführt, freilich in den ersten beiden Jahren vom Münchner Publikum keineswegs so begeistert angenommen wie heute, und das trotz illustrer Solisten wie Janine Jansen, Juliane Banse, Lars Vogt, Olli Mustonen, Steven Isserlis oder Alison Balsom. Zu sehr fremdelten anfangs die Münchner Konzertgänger, hatten Berührungsängste mit dem Thema einer oftmals tödlich verlaufenden Krankheit, die mit Homosexualität und Promiskuität allzu eng verbunden schien. Doch im dritten Jahr kam der Durchbruch und seither ist jedes Konzert gut besucht bis ausverkauft. Von Anfang an waren die Unterschiede zu anderen Städten und Konzerten erheblich: In München treten nicht nur die Solisten, auch die Orchestermusiker ohne Gage auf und der Erlös aus Konzert und anschließender Tombola bleibt zur Gänze bei der Münchner Aidshilfe. Seit 2014 gibt es im Anschluss an das Konzert ein »Künstlerfest« im Gartensaal des Prinzregententheaters für alle Konzertbesucher, die mit den Künstlern zusammen feiern und Lose bei einer großen, reich bestückten Tombola kaufen können, die wesentlich zum Spendenerlös – in diesem Jahr werden mehr als eine Viertelmillion Euro erwartet – beiträgt.

Zum zweiten Mal leitet Clemens Schuldt, der neue Chefdirigent des MKO dieses Jahr das Münchener Aids-Konzert und präsentiert wieder vier renommierte, spannende Solisten bzw. heuer sogar fünf, spielen die beiden Brüder Lucas & Arthur Jussen aus den Niederlanden doch im Klavier-Duo. Bereits mit zehn bzw. 13 Jahren gaben sie ihr Debüt im Amsterdamer Concertgebouw mit Mozarts Konzert für zwei Klaviere, das sie 2015 auch für Deutsche Grammophon aufnahmen. Bereits 2010 erschien ein Beethoven-Album, bei dem die beiden damals 17- und 20-Jährigen vor allem als Solisten zu hören waren, ein Jahr später kam ein Schubert-Doppelalbum heraus, bei dem die beiden solo, vierhändig oder auf zwei Klavieren spielten, und zuletzt Camille Saint-Saëns‘ Karneval der Tiere und Francis Poulencs Konzert für zwei Klaviere und Orchester d-Moll, das sie auch beim Aids-Benefiz aufführen. Es ist ein launiges, dreisätziges Werk, das sich über vieles lustig macht, im Mittelsatz Mozart zugleich parodiert und sich vor ihm verneigt. Ebenso blitzt Strawinsky oder Ravel durch und kaum ein Akkord, kaum ein Rhythmus, kaum eine Melodie ist das, was sie zu sein scheint. Lucas & Arthur Jussen spielen das ungemein pointiert und jungenhaft ungestüm.

Nicht das d-Moll-Konzert KV 466 Mozarts, auf das sich der langsame Satz des Poulenc-Konzerts bezieht, spielt die große russische Pianistin Elisabeth Leonskaja, aufgewachsen im georgischen Tiflis und seit 1978 in Wien lebend, am Ende des Konzerts, sondern das erste unter Mozarts reifen Klavierkonzerten, das in Es-Dur KV 271. Schon auf seiner Debüt-CD hört man das Ausnahmetalent des 1992 in Bregenz als Sohn einer persischen Musikerfamilie geborenen Kian Soltani. So warm und schön klingt Schuberts Arpeggione-Sonate selten, auch Robert Schumanns Fantasiestücke und sein op. 70 verströmen feine Poesie; umso frischer und lebendiger klingen dann die Bearbeitungen persischer Volkslieder. In München eröffnet Soltani mit dem Münchener Kammerorchester das Aids-Konzert mit Peter Tschaikowskys Rokoko-Variationen. Unvergessen als leidenschaftliche Donna Elvira in der Claus-Guth-Inszenierung von Mozarts Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen, immer wieder als Figaro- Gräfin oder in Händels Rodelinda an der Bayerischen Staatsoper und mehrfach als großartige Lied-Sängerin bei den Münchner Opernfestspielen zu erleben, unternimmt Dorothea Röschmann in letzter Zeit mehrfach Ausflüge ins jugendlich-dramatische (Wagner-) Fach. So sang sie Elsa in Lohengrin in Berlin und Eva in den Meistersingern, zuletzt gab sie im Februar ihr Rollen- Debüt als Tannhäuser-Elisabeth in Dresden. Also lag es nahe, dass sie deren berühmte Nummern auch beim Aids-Konzert zum Besten gibt: die Hallen-Arie und das Gebet aus dem dritten Akt: »Allmächt’ge Jungfrau, hör mein Flehen«. Zu den Opernfestspielen ist Dorothea Röschmann dann wieder in der Titelpartie einer Oper des 18. Jahrhunderts zu erleben – als Christoph Willibald Glucks Alceste.  

Klaus Kalchschmid


13. Münchener Aids-Konzert. 11. April, 20 Uhr, Prinzregententheater.

Karten: München Ticket und unter www.m-k-o.eu. Das Konzert wird live im Programm BR-Klassik übertragen.

 

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