Der junge Pianist Aidan Mikdad (c) Anne Meyer

Wir sind die Neuen

Sie sind zwischen 13 und 28 Jahre alt: die Künstler beim Festival Stars and Rising Stars.

Seit dem Debüt mit 21 Jahren bei den Berliner Philharmonikern ist der 1969 geborene ARD-Wettbewerbs- Preisträger Alban Gerhardt hierzulande fast immer noch ein Geheimtipp – trotz seiner zahlreichen CDs, die eine siebenteilige Edition zu Romantischen Violinkonzerten ebenso umfassen wie zeitgenössische Musik (Britten, Schostakowitsch, Schnittke). Zahlreiche Komponisten haben ihm Cello-Konzerte geschrieben, so Peteri Vasks, Brett Dean, Matthias Pintscher, Thomas Larcher oder Unsuk Chin. Ihr Konzert hat er 2009 nicht nur uraufgeführt, sondern auch für Deutsche Grammophon aufgenommen und immer wieder auf der ganzen Welt gespielt. Fantastisch, wie der damals 39-Jährige auf seinem Instrument »singen« konnte, aber auch selbst vertrackteste Schwierigkeiten mit Bravour meisterte.

Mit der Einspielung des Alten Testaments der Cellisten, also der sechs Solo-Suiten Johann Sebastian Bachs, hat Alban Gerhardt bis letztes Jahr gewartet. Soeben ist die bemerkenswert reife Aufnahme erschienen. Und gerade ist der gebürtige Berliner, der heute in Spanien lebt, im Herkulessaal der Residenz aufgetreten. Harald Eggebrecht schrieb in der Süddeutschen Zeitung: »Alban Gerhardt, nach mehr als zehn Jahren endlich einmal wieder Gast beim BR-Symphonieorchester, gehört zu den Weltbesten nicht nur seiner Generation, ein Musiker, der Ausdrucksintensität nicht mit Poltern verwechselt, Zartheit nicht mit Säuseln. Sein Ton zeichnet sich durch klare Kontur und Präsenz aus. So entstand Elgars Konzert als großer Erinnerungsgesang im Kopfsatz, mit effektvoller Spiccato-Erregung im Zweiten Satz, mit ausgesungener Innigkeit im Adagio und im Finale mit vitalem Zugriff. Der Schmerzausbruch am Ende gelang Gerhardt beherrscht, aber vor Binnenspannung bebend – denkwürdig.«

Mit Raphaela Gromes hat Gerhardt eine großartige junge Cellistin eingeladen, die nach Serenata Italiana und Hommage à Rossini zum 200. Geburtstag des gefeierten Cellisten und Komponisten Jacques Offenbach in Kürze ein feines Album mit einer Auswahl seiner Werke für Cello und Klavier sowie zwei Celli herausbringt. Daraus ist einiges beim »Kissenkonzert« in der brandneuen Aula des gerade umfassend renovierten Wilhelms-Gymnasiums am Maxmonument zu hören, aber auch Musik von Liszt, Ligeti und Ravel – zusammen mit dem 19-jährigen New Yorker Pianisten Clayton Stephenson. Nils Mönkemeyer ist einer der bekanntesten und renommiertesten Bratscher und nicht zuletzt ein begeisterter Kammermusik-Partner. So gibt es als Höhepunkt seines Konzerts mit Sara Domjanic (Geige), Yibai Chen (Cello) und Dmytro Choni (Klavier) Gabriel Faurés Klavierquartett c-Moll op. 15. Mit der Geigerin Arabella Steinbacher ist das Trio der weltberühmten Streicher vollständig, die mit jungen Kollegen bei »Stars and Rising Stars« musizieren. Die Schülerin der legendären Ana Chumachenko spielt unter anderem Trios von Mozart, Beethoven und Brahms mit der Cellistin Yuya Okamoto und Amadeus Wiesensee am Klavier.

Zwei renommierte Sopranistinnen laden ebenfalls junge Gäste ein: Simone Kermes, die exzentrische Barock-Koloratur-Sopranistin mit dem Hang zu extrovertierten, aber immer bombensicheren und effektvollen Tönen musiziert in der mit einem Glasdach überwölbten Ruine des Odeon, einst Münchens legendärer Konzertsaal, zusammen mit dem kleinen Alte-Musik-Ensemble Amici Veneziani, dem 25-jährigen Countertenor Etienne Walch und der gleichaltrigen, bereits international erfolgreichen Mezzosopranistin Idunnu Münch. Olga Peretyatko war schon beim ersten Festival vor zwei Jahren dabei und präsentiert mit Myungin Lee und José Coca Loza Arien und Duette aus Carmen, Les pecheurs de perles, Rigoletto, I Puritani, Lucia di Lammermoor und L’elisir d’amore.

Zwei Altmeister ihres Fachs, der 77-jährige Burgschauspieler Klaus Maria Brandauer und der 88-jährige Pianist Alfred Brendel, rahmen das Festival. Brendel widmet sich dem A bis Z eines Pianisten, so auch der Titel seines Buches, und erklärt die Geheimnisse des Klavierspiels von A wie Anschlag, Akkord und Arpeggio bis Z wie Zusammenhang, während der 23-jährige Filippo Gorini am Klavier von Beethoven über Schumann, Chopin und Brahms bis Schönberg und Strawinsky die musikalischen Beispiele zum Besten gibt.

Brandauer begibt sich auf eine Reise durch 400 Jahre Geschichten um den legendären Frauenverführer Don Juan. Mit Hermann Broch erzählt dabei die Magd Zerlina aus Mozarts Don Giovanni, was sie an diesem »Edelmann« verführt hat, und Heinrich Heine lässt die Frau in lautes Gelächter über männliches Potenzgebaren ausbrechen. Brandauer zitiert aber auch Tirso di Molina, Grabbe, Molière, Goethe und viele andere, während dazwischen der gerade mal 19 Jahre alte Aidan Mikdad mit Klaviermusik von Wolfgang Amadé Mozart die fließenden Übergänge schafft.

Klaus Kalchschmid


Stars and Rising Stars. 23. Mai bis 1. Juni. Karten: München Ticket und Abendkasse. Termine unter starsandrisingstars.de.

 

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