Farblithografie aus der »Biblia Sacra Suite«, 1964-1967 »Die blaue Madonna« (c) Kunstkontor Bamberg/Brigitte Sporrer

Gipfel-Gespräche

In nur zwei Jahren schuf Salvador Dalí die mehr als 100 Farblithografien der »Biblia Sacra Suite«. 

Aus der Bamberger Grafiksammlung von Richard H. Mayer kommen die Arbeiten für den ganzen Sommer ins Münchner Künstlerhaus.

Mit heiligen Büchern zu hantieren ist stets eine heikle Angelegenheit. Das war es auch für den Meister aller Exzentriker aus Katalonien: Salvador Dalí (1904-1989). Zu seiner dadaistischen Blütezeit war das Bekenntnis zum Atheismus Pflicht, doch gegen Ende der 1940er-Jahre nach der Rückkehr aus dem amerikanischen Exil nach Spanien kam es zu einer Wiederannäherung des Künstlers an die katholische Kirche. Gleichwohl standen die unverkennbaren Selbstvergottungstendenzen Dalís jedem demütigen Kirchenglauben im Wege. Bevor es der Begnadete mit dem Gott des Alten und Neuen Testaments aufnahm, trat er mit einem Wesensverwandten in den Wettstreit – mit Dante Alighieri. Dantes Commedia, erst von der Nachwelt nach des Dichters Tod zur Göttlichen emporgehoben, illustrierte der Spanier zweimal. Zu Beginn der 1950er-Jahre mit Aquarellfarben und 1963 zum 700. Geburtstag des italienischen Nationaldichters trat er mit dem Meister des Buchstabens mittels des Mediums des Farbholzschnitts in den künstler­ischen Wettstreit. Nach diesem furiosen Aufgalopp wendete sich Dalí dann der Bibel zu. Sein Turiner Freund Giuseppe Albaretto gab ihm dazu den Auftrag. Der fromme Mann verband damit den Wunsch, den Künstler mit den Inhalten wie Bilderwelten des Christentums auszusöhnen. Als Ergebnis entstand in den Jahren 1963 bis 1965 der Farblithografie-Zyklus Biblia Sacra, der aus 105 Einzelblättern besteht. 

Rüdiger Heise

 

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Salvador Dalí – Biblia Sacra. 

11. Juli bis 3. September, Mo 10-22 Uhr, Di-So 10-19 Uhr, Münchner Künstlerhaus, Lenbachplatz 8. 

Informationen: Tel. (089) 5 99 18 40

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