Erich Heckel, »Fränzi liegend«, 1910 (c) Buchheim Museum der Phantasie 

Vereinigte Sammlungen

Brückenschlag. Gerlinger + Buchheim

In Bernried sind jetzt die beiden bedeutendsten Sammlungen zur Künstlergruppe Die Brücke vereinigt. Die Sammlung Gerlinger ergänzt die vorhandene Sammlung ­Lothar-Günther Buchheims, sodass alle Schaffensphasen der Brücke-Künstler mit ­hervorragenden Exponaten im Museum präsent sind.

Im zeitigen Frühjahr 2017 wurde im Blauen Land eine Elefantenhochzeit verkündet, deren direkte Folge sich noch bis Ende Februar begutachten lässt. Um konkreter zu werden: Das Ehepaar Hertha und Hermann Gerlinger gab seine umfangreiche, aus mehr als 1000 Werken bestehende Sammlung zu den Malern der Brücke als Leihgabe, zunächst befristet auf zehn Jahre mit Verlängerungsoption, an das Buchheim Museum in Bernried. Damit sind im Haus am Starnberger See die beiden umfangreichsten und qualitätvollsten Privatsammlungen zur Künstlergruppe Die Brücke vereinigt. Keine andere Sammlung als die Hermann Gerlingers eignet sich so perfekt zur Ergänzung der bestehenden Sammlung des Buchheim Museums. Insofern ist hier die gern zitierte Public Private Partnership, also das Zusammenwirken von privater und öffentlicher Hand, einmal beispielhaft verwirklicht worden. Nirgendwo sonst, mit Ausnahme des Berliner Brücke-Museums, lässt sich die Werkgeschichte der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe Die Brücke derart genau und lückenlos verfolgen. Interessierte sich Lothar-Günther Buchheim vor allem für das Frühwerk der beteiligten Künstler, das in die Vorbereitungs- und Hochphase des malerischen Expressionismus fällt, so verfolgte und verfolgt der Würzburger Sammler Hermann Gerlinger einen auf Ganzheit zielenden Ansatz. Neben den Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und der Druckgrafik der Brücke-Künstler widmete Gerlinger auch deren Skulpturen, kunsthandwerklichen ­Arbeiten und Dokumenten, wie Einladungen und Exlibris, seine sammlerische Aufmerksamkeit. Zudem bezieht sich der Sammler und Ingenieur aus Würzburg jeweils auf das Gesamtœuvre der Brücke-Künstler. An die Seite der Gründungsmitglieder der Brücke, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, treten sodann Werke und Dokumente der später die Brücke bereichernden Künstler Emil Nolde, Hermann Max Pechstein, Cuno Amiet, Akseli Gallen-Kallela und Otto Mueller, der wiederum einer der Lieblingskünstler Lothar-Günther Buchheims gewesen ist und über den er eine bis heute begehrte Monografie verfasst hat. Hermann Gerlinger hingegen baute eine besondere persönliche Beziehung zu Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) auf, der ihm wichtige Werke auch aus der späten Schaffensphase anvertraute. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Sammlerpersönlichkeiten neben ihrer Passion für die Brücke-Künstler besteht in ihrem starken Interesse an der afrikanischen Kunst. 

Schwerpunkt in Obrbayern

Durch die Zusammenführung der beiden Sammlungen von Lothar-Günther Buchheim und Hermann Gerlinger in Bernried wird das Buchheim Museum zu einem Hauptmuseum zum deutschen Expressionismus. Mehr als 2000 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die sich dem Expressionismus zurechnen lassen, lagern nun in den Magazinen des Museums. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Künstlergruppe Die Brücke, die von 1905 bis 1913 bestand, und deren vielfältigen Nachwirkungen. An der Seite des Lenbachhauses mit seinem Sammlungsschwerpunkt zum »Blauen Reiter« und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung mit ihrer bedeutenden Beckmann-Sammlung ist der südbayerische Raum zu einem Zentrum der musealen Bewahrung des Expressionismus wie seiner Folgen geworden. Die Strahlkraft des Expressionismus und die Vorliebe des kunstinteressierten Publikums für sein Schaffen sind nach wie vor ungebrochen. Welche Potenziale diese Konzentration wichtiger Werke des Expressionismus auf so engem Raum noch für weitere Ausstellungsprojekte in sich birgt, wird die Zukunft zeigen. Die Ankunft der Sammlung Gerlinger am Starnberger See, die zuvor für längere Perioden im schleswig-holsteinischen Schloss Gottorf und in der Moritzburg in Halle gezeigt wurde, wird zunächst mit der Ausstellung Brückenschlag: Gerlinger + Buchheim gefeiert. Auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 1500 Quadratmetern werden beide Sammlungen in ihren Haupt- und Prunkstücken präsentiert. Die Konzepte der Sammler mit ihren unterschiedlichen Akzentsetzungen lassen sich vergleichen. Rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung Ende Oktober 2017 konnte auch die neue LED-Beleuchtungsanlage des Buchheim Museums in Betrieb genommen werden. Vom Bund gefördert, erlaubt sie Energieeinsparungen und die LED-Beleuchtung wird auch als schonender für die Exponate eingeschätzt als die bisherige, herkömmliche Art der Ausleuchtung. Besucherinnen und Besucher, die das Buchheim Museum in den letzten Tagen des Jahres 2017 und zu Jahresbeginn 2018 aufsuchen, werden auch auf eine andere, nicht ganz unwichtige Änderung treffen: Das Museumsrestaurant wird nun von dem sich in der Nähe befindlichen Seerestaurant Marina mitbetrieben.­­

Autor: Rüdiger Heise

 


Brückenschlag. Gerlinger + Buchheim.

Bis 25. Februar, Di-So und feiertags 10-17 Uhr, Buchheim Museum, Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried.

Informationen:Tel. (08158) 99 70 20.

 

 

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