Pablo Picasso, »La Lecture«, 1953 (c) BPK / Nationalgalerie, SMB, Museum Berggruen / Jens Ziehe

Vom Umgang mit Bildern

Das Franz Marc Museum begeht sein zehnjähriges Bestehen mit der Jubiläumsausstellung »Lektüre«.

Hält man schrumpfende Umsatzzahlen des Buchhandels für den Gradmesser, so befindet sich die Kulturtechnik des Bücherlesens im Niedergang. Da kommt eine Ausstellung gerade recht, die sich mit einem Doppelaspekt des Lesens befasst: den Bildern vom Lesen und dem »Lesen« von Bildern. Beginnend im 18. Jahrhundert entdeckt die Malerei das Sujet des Lesenden, vor allem aber der Lesenden. Fasziniert sind die Maler dabei von dem Geheimnis zwischen dem Geschriebenen und den Lesenden, das sich zwar abbilden, aber eben nicht ergründen lässt. Die stille Lektüre ist das Residuum von Privatheit und Intimität. Die Ausstellung legt dabei einen Schwerpunkt auf Werke aus dem 20. Jahrhundert, ohne aber den Vorentwicklungen des Sujets im 18. Jahrhundert bei Jean-Etienne Liotard oder Daniel Chodowiecki sowie im 19. Jahrhundert, etwa bei Auguste Renoir, Adolf Menzel oder Lovis Corinth, geringere Aufmerksamkeit zu schenken. Im Besonderen die expressionistischen Künstler Heckel, Kirchner, Macke, Münter, Nolde und Schmidt-Rottluff waren vom Sujet des Lesens angetan, aber auch Picasso, Matisse, Giacometti und Vuillard arbeiteten mit und an den Lesenden. In den Werken von Klee, Michaux und Twombly gerät ein weiterer Aspekt des Themas in den Blick: Wie muss man sich ein »Lesen« der Bilder vorstellen? Ist es nur eine Metapher oder doch ein Prozess, der ganz eigenen Funktionsregeln folgt?

17. Juni bis 23. September, Di-So sowie feiertags 10-18 Uhr, Franz Marc Park 8-10, 82431 Kochel am See.

Informationen: Tel. (08851) 92 48 80.

Zum Seitenanfang