Ein Litho-Künstler und -Drucker bei der Arbeit in der Lithografiewerkstatt (c) Brigitte Sporer, Münchner Künstlerhaus

Im Zeichen des Steins

Zum Ende der Ferienzeit widmet sich das Münchner Künstlerhaus dem Medium der Lithografie in allen seinen Aspekten.

Die gute Nachricht zuerst: Der Steindruck lebt. Auch wenn dieses Flachdruckverfahren, das seinen Höhepunkt in der Zeit zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Ersten Weltkrieg erlebte, bei der Produktion von farbigen Massendrucksachen, also in dem Bereich, der sich heute Marketing nennt, zuvor als Werbung und Reklame bekannt, keine Rolle mehr spielt, so hat sich die Lithografie im bildkünstlerischen Bereich als Ausdrucksform halten können. In der freien Kunst scheint die Lithografie in den letzten Jahren sogar attraktiver geworden zu sein. Sie erfreut sich dort einer wiedergewonnenen Beliebtheit. Dazu haben Einrichtungen wie der dem Münchner Künstlerhaus und seiner Stiftung angeschlossene Steindruck München sowie die Studienwerkstatt für Lithografie an der hiesigen Kunstakademie einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie haben dafür gesorgt, dass die Lithografie nicht in das Medienmuseum für obsolet gewordene Techniken abgeschoben wurde.

Der 20. Geburtstag der Litho-Werkstatt des Künstlerhauses, die seit 2015 der Künstler Franz Hoke leitet, bildet den äußeren Anlass für die diesjährigen Lithografietage. Eine Ausstellung in der Werkstatt zeigt, wie sich das künstlerische Ausdrucksmittel Lithografie in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat: Mehr als 70 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus allen Weltgegenden, besonders auch aus Krisengebieten, konnten sich in der Lithografiewerkstatt des Künstlerhauses weiterbilden und schlossen jeweils ihr Stipendium mit einer Ausstellung beim Steindruck München ab. Mit einer Retrospektive ehrt das Künstlerhaus zudem den Steindrucker Karl Imhof, der 1978 in München ein Lithografie- Druckhaus gründete und zudem zwischen 1990 und 2005 die Professur für Lithografie an der Münchner Kunstakademie innehatte. Zu dieser Besinnung auf das Erreichte gehört auch, daran zu erinnern, dass die Lithografie Ende des 18. Jahrhunderts von Alois Senefelder (1771-1834) in München erfunden wurde. Der Solnhofener Kalkschieferstein, der in Bayern gebrochen wird, stellt zudem das geeignetste Material für lithografische Druckplatten dar.

Doch die fünftägige Großveranstaltung um den Monatswechsel August/September blickt in der Hauptsache nach vorn. Sie vernetzt Künstlerinnen und Künstler, Drucker, Experten, interessierte Laien und Neugierige, indem das gesamte Künstlerhaus im Zeichen der Lithografie steht, ihr also ein Forum gibt. Im ganzen Haus sind lithografische Kunstwerke zu sehen und es kann daher auch stante pede über sie diskutiert werden. Litho-Künstler und Drucker, die nicht nach München kommen können, sind über eingereichte Videos präsent, sodass die weltweite Lithografieszene in diesen fünf Tagen im Haus am Lenbachplatz real oder medial gegenwärtig ist. Um die in der Lithografie steckenden Ausdrucksmöglichkeiten ermessen zu können, muss man sehen, wie das Verfahren funktioniert: In täglichen Druckdemonstrationen werden die verschiedenen Spielarten lithografischer Verfahren vorgestellt. Die Besucherinnen und Besucher werden mit den für die Lithografie benötigten Materialien – Fetten, Farbstiften und -kreiden, Ölen, Pigmenten und Papiersorten – haptisch vertraut gemacht. Vier Exkursionen sind im Angebot: Sie führen am Mittwoch, den 29. August, ins Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, das in seinem historischen Steinkeller mehr als 26.000 Steine vorhält. Am Donnerstag, 30. August, geht es in einen Steinbruch nach Solnhofen. Außerdem wird ein Druckfarbenhersteller besichtigt. Am Freitag, den 31. August, führt die Exkursion zu einem Pigmenthersteller und einer Farbmühle. Kurz: Mehr Lithografie geht kaum.

Autor: Rüdiger Heise

III. Lithografietage international 2018. 29. August bis 2. September, Münchner Künstlerhaus, Lenbachplatz 8. Informationen: Tel. (089) 59 91 84 14 und unter lithotage.de.

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