Ein Paar Frauenschuhe, Frankreich, um 1760/80 (c) Bayerisches Nationalmuseum München, Foto: Bastian Krack

Prachtentfaltungen

Neu gestaltet: dem Barock und Rokoko gewidmeten Sammlungen des Bayerischen Nationalmuseums.

Von dem französischen Außenminister vieler Regime Charles-Maurice de Talleyrand stammt das Bonmot, dass niemand die Süße des Lebens kenne, der nicht vor 1789 gelebt habe. Er meint damit jene Zeit des Barock und Rokoko, die in Frankreich und Italien früher, in deutschen Landen im Laufe der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnt und bis zum Beginn der Französischen Revolution andauert. Auch aus dieser Epoche sind bedeutsame Sammlungen und Objekte zum Bayerischen Nationalmuseum gekommen. Die dem Barock und Rokoko gewidmeten Säle der ständigen Sammlung sind jetzt neu gestaltet worden. In besonderem Maße profitieren die Besucher dabei von neuer, zeitgemäßer Präsentationstechnik. Es war eine große Zeit der europäischen Adelsgeschlechter und ihrer Dynastien. Noch einmal bilden sich die Wertesysteme des Adels zu stärkster Geltung und Verfeinerung aus, bevor das Bürgertum die Herrschaft übernimmt.

Im Mittelpunkt steht für den Adel dabei die Ehre, die stets gefährdet erscheint. Die größte Sorge des jeweiligen Familienoberhauptes gilt dem Stammbaum. Das wichtigste Kapital für jede Familie stellen Kinder dar, die im Alter von zwölf Jahren (Mädchen) und 14 Jahren (Jungen) als erwachsen galten und damit verheiratet werden konnten. Durch geschickte Heiraten waren der Einfluss und das Ansehen einer Adelsfamilie zu vergrößern. Außerdem sorgte die Heiratspolitik für das, was wir heutzutage ein Netzwerk nennen. Wer sich über den Adel in Barock und Rokoko tiefer informieren möchte, dem sei Leonhard Horowskys Buch Das Europa der Könige zur Lektüre empfohlen. Vor allem im Barockzeitalter gelang es den regierenden Königshäusern in Europa, nach dem Vorbild des französischen Königs Ludwig XIV. den Adel an ihre Residenzen zu binden und dadurch zugleich zu kontrollieren. Die höfische Gesellschaft ist gekennzeichnet durch demonstrativen Luxuskonsum, Spielleidenschaft und aufwendigst betriebenen Zeitvertreib bei Tanz und Jagd. Luxus, Verfeinerung und Prachtentfaltung haben in der Adelswelt von Barock und Rokoko eine mehrfache, nämlich politische, gesellschaftliche und ästhetische Funktion ...

Rüdiger Heise

Den Rest des Artikels finden Sie im Applaus-Heft 07-08/2018.


Wunderwelt Barock. Neueröffnung der Fachsammlungen. Ab 30. Juni, Di-So 10-17 Uhr, Do 10- 20 Uhr, Bayerisches Nationalmuseum, Prinzregentenstr. 3. Tel. (089) 2 11 24 01.

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