Die Stuttgarter Sinologin Uta Werlich hat als Leiterin für das Museum Fünf Kontinente viele Pläne © Klaus Haag

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Seit April 2018 leitet Uta Werlich das Museum Fünf Kontinente. APPLAUS sprach mit der neuen Direktorin über Probleme und Herausforderungen

APPLAUS: Über die Debatten zum Humboldt-Forum und zur Restitutionsproblematik kommen die Völkerkundemuseen ins Gespräch. Die ethnologischen Museen – so auch das Münchner Museum Fünf Kontinente – liegen im allgemeinen Bewusstsein bisher in einer Art Dornröschenschlaf. Wie sehen Sie diese Diskussion?

Uta Werlich: Das Humboldt-Forum war für die deutschen ethnologischen Museen eine große Chance. Die Diskussionen, die dabei angestoßen wurden, haben den Finger in eine Wunde gelegt. Viele Häuser sind in der Kolonialzeit entstanden. Die Sammlungsbestände haben oft einen kolonialzeitlichen Hintergrund. Die Kuratoren haben immer schon Sammlungsgeschichte betrieben und in diesen Bereichen geforscht, aber wir haben es nicht publikumswirksam inszeniert und vermittelt. Die Kolonialzeit ist jetzt ein Aspekt, den es auf neue Weise zu erzählen gilt. In den Museen müssen wir überdenken, was Eigentum an Sammlungen heißt. Die Beziehungen mit den Herkunftsländern, deren Museen und Kuratoren, gilt es zu intensivieren. Die Ergebnisse dieser Dialoge sollten wir dann in den Ausstellungen aktiver sichtbar machen, sodass eine wirkliche Mehrstimmigkeit zutage tritt. Generell sehe ich aber auch ein Problem bei den Besuchern selbst: Man geht eher in Museen, die das Bekannte zeigen, als dorthin, wo man mit dem Unbekannten, nämlich außereuropäischer Kunst und Kultur, konfrontiert wird. Dazu kommt unsere Lage. Wir sind ein Solitär an der Maximilianstraße. Wer zu uns möchte, kommt gezielt zu uns mit dem Gedanken: Ich möchte mich mit kultureller Vielfalt auseinandersetzen.

Mit Ihrem direkten Nachbarn, der Galerie der Künstler, wurde in der Vergangenheit eher selten kooperiert. Wie sehen Sie denn die Möglichkeiten der Anknüpfung zur zeitgenössischen bildenden Kunst?

Ich bin der Ansicht, dass man es durch die Einbindung von zeitgenössischer Kunst schaffen kann, die Brücke zwischen den historischen Sammlungen und der Gegenwart zu schlagen. Denn das, was wir zeigen, sind ja keine historisch erstarrten Gesellschaften, auch wenn durch die historischen Sammlungen dieses Bild manchmal entsteht. Gleichwohl ist der bildende Künstler nicht per se der bessere Kurator. Es muss eben ein wirkliches Kooperationsprojekt sein, bei dem verschiedene Sichtweisen aufeinandertreffen, dann ist das bereichernd für dieses Haus.

Rüdiger Heise

Das vollständige Interview finden Sie im Applaus-Heft 09/2018.


Fragende Blicke. Neun Zugänge zu ethnografischen Fotografien«. Di-So, 9.30-17.30 Uhr. Museum Fünf Kontinente, Maximilianstr. 42. Informationen: Tel. (089) 2 10 13 61 00 und unter museumfuenf- kontinente.de.

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