Parastou Forouhar, Ausstellung im Rahmen der Serie »Lettres ouvertes, de la calligraphie au street art«, Institut des Cultures d'Islam (ICI), Paris (c) Galerie Karin Sachs

Jung geblieben

Die OPEN art feiert ihren 30. Geburtstag. Wo ist die Zeit nur geblieben, fragt sich ein immer aktuelles Projekt, das im welthistorischen Jahr 1989 kurz vor der Wende begann: Rückblick, Feier und Ausblick.

Wie war das noch in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre? Noch existierten zwei deutsche Staaten. Die bildenden Künste – Stichwort Neue Wilde – befanden sich auf dem Höhepunkt ihres Ansehens. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich auf Vernissagen blicken. Wer im Small Talk eine gute Figur machen wollte, dem mussten die Namen Lüpertz, Baselitz und Immendorff geläufig sein und der Begriff »arte povera« war ihm oder ihr kein Fremdwort. In dieser Zeit schlossen sich Münchner Galeristen zusammen, um eine gemeinsame Saisoneröffnung im Herbst zu organisieren. Dem Unternehmen verliehen sie den griffigen Titel OPEN art. Im September 1989 begann es. Es entwickelte sich zum Erfolgsmodell, was sich allein daran ablesen lässt, wie oft es im In- und Ausland kopiert wurde. In München läuft und läuft es. In diesem Jahr findet die OPEN art zum 30. Mal statt. Träger der OPEN art ist die Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst. Für das Jubiläumsjahr hat die Initiative eine 45-minütige Filmdokumentation unter der Regie von Alf Meier drehen lassen. In Interviews kommen darin die Akteure von damals und heute zu Wort. Der Film vermittelt so ein Bild vom Kunststandort München.

Die rauschenden Feten der 1990er sind nicht mehr. Derzeit ist es chic, sich mal wieder für Literatur zu interessieren. Bilder hat man genug an den Wänden hängen. Kurz: Das Geschäft ist für die Galerien im gegenwärtigen kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld schwieriger geworden. Die Initiative zählt heute 55 Galerien als Mitglieder. Das berühmte, zweimonatlich erscheinende Faltblatt gibt es seit Anbeginn bis heute, ergänzt um einen Internetauftritt. Wie heißt so etwas in Geschäftsberichten? Konzentration aufs Kerngeschäft. Seit 2016 verstärkt die Initiative mit der Marke »Plateau münchen« im Oktober jeweils nach dem bekannten Volksfest ihre Präsenz. In Partnerschaften verbindet man sich mit anderen Kulturinstitutionen der Stadt sowie Österreichs und der Schweiz.

Wo eine Feier ist, sind andere nicht weit. Rüdiger Schöttle feiert sein 50. Galeriejubiläum, siehe unseren Bericht auf Seite 54. Die Galerie Wittenbrink begeht ihren 40. Galeriegeburtstag mit einer Ausstellung von documenta- IX-Teilnehmer Tom Fecht, der sich mit der Nachtfotografie beschäftigt. Karl Pfefferle blickt mit einer Sammelausstellung auf eine bewegte 35-jährige Galeristentätigkeit zurück. Britta von Rettberg zeigt Arbeiten der in München lebenden und ausgebildeten Künstler Gülbin Ünlü, Timur Lukas und Martin Wöhrl. Die Schwabinger Galerie J. J. Heckenhauer, wie Britta von Rettberg erst seit Kurzem Mitglied in der Initiative, macht das Publikum mit dem belgischen Künstler Vadim Vosters bekannt. Die Galerie Fenna Wehlau, auch ein Neumitglied, zeigt eine neue Werkreihe des Dießener Malers Rupert Eder, die sich mit der Farbe Blau befasst. Zum ersten Mal im Rahmen der Initiative dabei ist auch die Galerie Maurer Zilioli, die Arbeiten der Künstlerin Andrea Sulzer zeigt, in denen die Form der Collage eine Neuauslegung erfährt. Walter Storms präsentiert zum OPEN-art-Jubiläum eine Werkschau Günter Fruhtrunks. Zugleich erscheint das Werkverzeichnis des Künstlers. Jim Dine, Pop-Art-Urgestein, zeigt neue Skulpturen und Gemälde bei Thomas Modern. Die iranische Künstlerin und Aktivistin Parastou Forouhar realisiert in den Räumen von Karin Sachs in der Maxvorstadt eine neue Version des »Written Room« unter dem Titel Zeichenschwärme. Eines ist und bleibt die OPEN art: ein kostenfreies Angebot des privaten Galeriesektors für die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner.

Rüdiger Heise

OPEN art 2018. 14. bis 16. September, Fr 18-21 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr. Eröffnung der OPEN art 2018 am Freitag, 14.9., um 17 Uhr im Kino 1 der HFF Hochschule für Film und Fernsehen München, Bernd-Eichinger-Platz 1. Infostand im Kassenbereich der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstr. 8. Geöffnet: Fr-Sa 10-18 Uhr, So 10-17 Uhr. Informationen zu den Führungen im Internet: openart.biz.

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