Sandro Botticelli, »Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige«, um 1475 © Florenz, Gabinetto Fotografico delle Gallerie degli Uffizi

Florenz in München

Die Malerei der italienischen Renaissance, zumal diejenige aus ihrem Geburtsort Florenz, ist in der Sammlung der Alten Pinakothek hervorragend vertreten. Nach der energetischen Sanierung des Museums zeigt eine umfangreiche Sonderausstellung, wie in Florenz die Malerei neu erfunden wurde.

Zwei Ereignisse sind es, die das Florenz der beginnenden Neuzeit auszeichnen: die Erfindung des Bank- wie Bilanzwesens – Stichwort doppelte Buchführung – und des Tafelbildes. Beide Erfindungen beruhen auf zwei Eigenschaften: der genauen Beobachtung und der peniblen und präzisen Umsetzung des Gesehenen und Beobachteten. Die Erfindung des Gemäldes, die sich vor rund 600 Jahren in der Stadt am Arno ereignet hat, wird in der Sonderausstellung in der Alten Pinakothek für die Besucherinnen und Besucher nachvollziehbar gemacht. Das Tafelbild individualisiert die Schaulust, verlagert sie vom öffentlichen kirchlichen Raum auch in den Privatraum. Dabei bedient sich das Ölbild einer bis heute nicht übertroffenen Technik der Konservierung. Es ist wertbeständig und gut tausch- und verhandelbar.

Seine Hersteller – die Florentiner Maler – bedienen sich wissenschaftlicher Methoden bei ihrem Unterfangen, die Dreidimensionalität der erlebten wie fantasierten Wirklichkeit ohne merklichen Verlust in die Zweidimensionalität des Tafelbildraums zu verwandeln. Die Begriffe der Zentralperspektive und der Luftperspektive werden geboren. Rund 150 Jahre dauert diese Geburtsphase des Tafelbildes, bis es sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts zur (Fast-)Perfektion entwickelt haben wird. Dass sich dieser Prozess in der Alten Pinakothek so gut verfolgen lässt, verdanken die Münchner in erster Linie der Sammeltätigkeit des bayerischen Königs Ludwig I. sowie den Glücksfällen einer Erbfolge, über die Kunstschätze aus Düsseldorf, Mannheim und Zweibrücken, darunter auch ein Raffael, hierherkamen. Für die versammelten Gemälde ließ Ludwig I. dann die Alte Pinakothek errichten, eines der ersten öffentlich zugänglichen Museen. Unterstützung erfuhr er dabei durch Georg von Dillis, der nicht nur selbst ein bedeutender Landschaftsmaler gewesen ist, sondern als Direktor der königlichen Galerie und Berater am Zustandekommen sowie an der Weiterentwicklung der Gemäldesammlung der bayerischen Könige mitgewirkt hat.

Rüdiger Heise

 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 11/2018.


Florenz und seine Maler: von Giotto bis Leonardo da Vinci. Bis 27. Januar 2019, Di-Mi 10-21 Uhr, Do-So 10-18 Uhr, Alte Pinakothek, Barer Str. 27, Eingang Theresienstraße. Tel. (089) 23 80 50.

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