HKarl Schmidt-Rottluff, »Landstraße im Frühling«, 1905 © VG Bild-Kunst, Bonn

Der letzte der Expressionisten

Das Buchheim Museum in Bernried widmet Karl Schmidt-Rottluff eine Retrospektive, die alle Schaffensperioden des Malers zwischen 1899 und 1974 in den Blick nimmt und in einer Auswahl von rund 200 Arbeiten vor dem Publikum auffächert.

Rottluff war ein kleines Dorf in der Nähe der sächsischen Stadt Chemnitz, das 1926 der Stadt eingemeindet wurde. Den Namen seines Geburtsortes setzte der Mühlenbesitzersohn Karl Schmidt später seinem Familiennamen hinzu. Unter dem Namen Karl Schmidt-Rottluff kennt ihn die Kunstgeschichte als einen Mitbegründer der Künstlergruppe Die Brücke. Mit von der Partie bei der Gründung im Jahre 1905 waren Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl. Die vier lernen sich beim Architekturstudium an der Technischen Universität Dresden kennen. Bemerkenswert ist das in so weit, als die Brücke-Expressionisten in Sachen Malerei und Druckgrafik Autodidakten gewesen sind. Ihrem malrevolutionären Impetus hat die Ferne zu den Sachwaltern der akademischen Tradition nur gutgetan. Kirchner, als Erster unter Gleichen gewissermaßen das Haupt der Gruppe, schnitt das Gruppenprogramm in Holz, dem es um »Lebensfreiheit … gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften« ging. »Unmittelbar und unverfälscht« wollten die jungen Maler ihrem Schaffensdrang nachgehen können. Sie bemühten sich um neue Mitglieder. Schmidt-Rottluff warb um Emil Nolde. Max Pechstein und Otto Mueller stießen zeitweise zur Brücke hinzu. Von Beginn an machten die Brücke-Künstler den Gegensatz zwischen Stadt und Land für sich produktiv, insbesondere als wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg die meisten nach Berlin gezogen waren: Kirchner arbeitete gerne auf der Insel Fehmarn, Heckel an der Flensburger Förde, Schmidt-Rottluff im Dorf Dangast am Jadebusen. Noch ein weiterer Dualismus prägte die Kunst der Brücke: die Polarität von Farbe und Linie, von Gemälde und Grafik, wobei vor allem die Technik des Holzschnitts für die Gruppe von Bedeutung war.

Rüdiger Heise

 


Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 12/2018.

Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck! Bis 3. Februar 2019, Di- So sowie feiertags 10-17 Uhr, Buchheim Museum, Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried am Starnberger See. Tel. (0 81 58) 9 97 00. Rahmenprogramm: Samstag, 15. Dezember, 15 Uhr: Im Gespräch mit Museumsdirektor Daniel J. Schreiber führt der Sammler Prof. Hermann Gerlinger durch die Ausstellung.

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