Thomas Hirschhorn, »Never Give Up The Spot«, Sketch, 2017 © Thomas Hirschhorn

Trash-Eldorado

Thomas Hirschhorn verwandelt das Atelierhaus der Villa Stuck in eine begehbare Müllhalde.

Müll zieht Künstler unwiderstehlich an wie das Licht die Motten. Sie alle machen sich ein Jesuswort aus der Bibel zu eigen: »Der Stein, den die Bauleute verwarfen, der ist zum Eckstein geworden.« Bezieht Jesus das ursprüngliche Psalmenwort, das er selbst also wiederverwertet, auf das sakrale Heilsgeschehen, so transformieren es die bildenden Künstler in den Bereich profaner Erleuchtung. Ein Musterbeispiel der beschriebenen Kontextverschiebung liefert der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn, Jahrgang 1957, mit seiner Ausstellung Never Give Up The Spot (Niemals die Position preisgeben), die den erhabenen Ort des Museums in eine temporäre Müllhalde verwandelt.

Allerdings unterscheidet sich die artifizielle Müllhalde oder, will man es vornehmer ausdrücken, Ruinenarchitektur des hochdekorierten Documenta- und Biennalen-Teilnehmers doch in signifikanten Eigenschaften von realen Müllhalden und Ruinen. Hirschhorns Müllberg ist von innen in gewundenen Gängen begehbar. Die Installation erstreckt sich über alle drei Etagen des Atelierhauses. Materialiter besteht sie aus Pappkarton, Styropor- Blöcken und enormen Mengen an braunem Klebeband. An einigen Stellen grüßen von oben Klosettbecken, um daran zu erinnern, dass wir uns in einer Umgebung des Abfalls, des Weggeworfenen, Nutzlosen, eben des Stoffwechselendprodukts befinden.

Rüdiger Heise

 


Den vollständigen Artikel finden Sie in der Applaus-Doppelausgabe 1/2 2019.

Thomas Hirschhorn »Never Give Up The Spot«. Bis 3. Februar, Di-So 11-18 Uhr, erster Freitag im Monat bis 22 Uhr, Museum Villa Stuck, Prinzregentenstr. 60. Informationen: Tel. (089) 4 55 55 10.

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