© Juliana Krohn

Literaturfest München 2019

Ingo Schulze beleuchtet im forum:autoren die weltweiten Auswirkungen des Umbruchjahres 1989.
Das 10. Literaturfest München bietet insgesamt über 85 Lesungen und Diskussionen, zehn Buch- und Fotoausstellungen, Schreib- und Kreativ-Werkstätten für Kinder und Jugendliche sowie ein großes Schulklassenprogramm. Zum 10. Mal wird das gemeinsam mit dem Literaturhaus München entwickelte forum:autoren von einem/r prominenten Schriftsteller/in gestaltet und im Anschluss im Festprogramm des Literaturhauses vertieft. Von Beginn an gehört die Münchner Bücherschau zum Literaturfest, die dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Alljährlich zeigt sie über 20.000 Neuerscheinungen im Münchner Gasteig, begleitet durch ein tägliches Rahmenprogramm für Leserinnen und Leser aller Generationen. Am 25. November zeichnet der Geschwister-Scholl-Preis ein Buch aus, das von geistiger Unabhängigkeit, bürgerlicher Freiheit und intellektuellem Mut zeugt. Und am Abschluss des Literaturfests, 30. November und 1. Dezember, steht der zweitägige Markt der unabhängigen Verlage »Andere Bücher braucht das Land«, der gemeinsam mit über 30 Independents aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die bibliophile Vielgestaltigkeit feiert.
 
Zum zehnjährigen Jubiläum des Literaturfests München lenkt Ingo Schulze den Blick auf die Folgen des Umbruchs von 1989 in der heutigen Welt und unternimmt vom 13. bis 23. November gemeinsam mit seinen Gästen eine imaginäre Weltreise – nach Spanien und Indien, China und in die Schweiz, nach Slowenien, Kuba und Simbabwe, nach Russland, Israel und Mexiko. Über 40 internationale Autorinnen und Autoren werden dazu in der Landeshauptstadt erwartet:
Lukas Bärfuss, Bas Böttcher, Jürgen Böttcher, Marion Brasch, Volker Braun, Mircea Cărtărescu, Daniela Dahn, Doris Dörrie, Marcial Gala, Petina Gappah, Andreas Goldstein, Katja Huber, Meena Kandasamy, Dževad Karahasan, Andreas Keller, Wolfgang Kubin, Yitzhak Laor, Stephan Lessenich, Dagmar Leupold, Ethel Matala de Mazza, Fiston Mwanza Mujila, Albert Ostermaier, Matthias Politycki, Manja Präkels, César Rendueles, Salman Rushdie, Bénédicte Savoy, Judith Schalansky, Fridolin Schley, Elke Schmitter, Tilman Spengler, Aleš Šteger, Vladimir Sorokin, Mark Terkessidis, Philipp Ther, Silke van Dyk, Joseph Vogl, Frank Witzel, Xiao Xiao, Aura Xilonen und Raul Zelik.
 
Neben Lesungen und Diskussionen ist die tägliche Vorstellung eigens für das Literaturfest verfasster Texte zum Thema »Fragen an die Welt nach 1989« geplant. Am Wochenende 16. und 17. November beschäftigt sich ein vierteiliges Symposion »Einübungen ins Paradies« mit den Folgen des Mauerfalls aus kulturwissenschaftlicher, soziologischer, geschichtlicher und ökonomischer Sicht. Gefragt wird nach der historischen Genese von Paradiesvorstellungen, inwieweit unser heutiges Weltbild noch immer von Nationalismus und kolonialistischen Haltungen geprägt ist, was der Wechsel von Besitzverhältnissen bewirkt hat, und ob die Zäsur von 89 »Brandbeschleuniger« war oder doch »Einübung ins Paradies«.
 
Auch ein Dokumentarfilm-Abend steht auf Ingo Schulzes Programm: Jürgen Böttcher kommt mit seinem Film Der Sekretär (1967) und Andreas Goldstein mit Der Funktionär (2018) nach München – beides Porträts von DDR-Persönlichkeiten, die sich in ihrer Gegenüberstellung gegenseitig erhellen und damit Aufschluss über den Wandel des Blicks auf die politischen Verhältnisse geben. Ein weiterer Abend ist der Familie Brasch gewidmet: Schriftstellerin Marion Brasch erzählt gemeinsam mit Schauspieler Andreas Keller von ihrem Bruder, dem »Dissidentendichter« Thomas Brasch und zeigt eine Collage aus Originalmaterial – Tagebucheinträgen, internen Berichten des Ministeriums für Staatssicherheit, Romanauszügen – und nachgestellten Szenen.
 
10 Jahre forum:autoren beim Literaturfest München, das ist Anlass für eine Jubiläumsparty: Am 16. November treten in der Muffathalle unter dem Motto »Books for Future« Ingo Schulze und ehemalige Kurator_innen des forum:autoren auf. Mit kurzen Statements, Lesungen oder Performances geben sie Antworten auf die Frage »Warum lesen?«. Elke Schmitter etwa plädiert fürs Lesen als den »zartesten ökologischen Fußabdruck, den es neben dem Träumen gibt!«. Und für Ingo Schulze ist Lesen der zentrale Zugang zur Welt- und Selbstverständigung: »Ich brauche Geschichten, um mir die Welt zu erklären und mich anderen und mir selbst.«
 

13. November bis 1. Dezember. Programminfos auf www.literaturfest-muenchen.de. Kartenverkauf über MünchenTicket, www.muenchenticket.de, Reservix, www.reservix.de, oder die verschiedenen Veranstaltungsorte.
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