Heinrich Steinfest (c) Burkhard Riegels

Heinrich Steinfest

Die bügelnde Frau und das Meer

Tonias Leben ist eng verwoben mit dem Meer. Sie wurde auf einer Segelyacht geboren und brachte eine glückliche Kindheit auf dem Wasser zu. Während ihr Leben hier seinen Anfang nahm, fand das ihrer Eltern bei einem tragischen Unfall mit ebenjener Yacht ein Ende, während Tonia bereits in einem Internat wohnte. Später findet sie mit ihrer Schwester in der elterlichen Villa ein Zuhause, studiert Biologie, um sich dann auf Meeresbiologie zu spezialisieren: Denn Wasser, da befindet sich möglicherweise die Antwort auf die Frage nach dem großen Ganzen, es bildet den Anfang und von ihm lässt sich systematisch auf das Ende schließen. Vielleicht hätte sich diese Toni gut mit Thomas Buddenbrook unterhalten können, der gen Ende seines Lebens bei einem Spaziergang (mit seiner Schwester Tony) über das Meer und dessen Fatalismus philosophiert. Wie dem auch sei: Nach einer Katastrophe, für welche sie sich die Schuld gibt, kehrt Tonia ihrem privilegierten Leben den Rücken, um fortan Buße zu tun und als Büglerin zu arbeiten. Was auch schon im Allesforscher Erfolgsrezept war, setzt Heinrich Steinfest in Die Büglerin wieder ein: Er spielt mit den altbewährten Unwahrscheinlichkeiten, Querverweisen und Reflexionen. Eine Schau von Kunstgriffen, die manchmal allzu gewollt wirkt – so als habe sich Steinfest in seine eigene Leichtfüßigkeit verliebt. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, Die Büglerin zu lesen – ein unterhaltsames und einfallsreiches Buch, wortgewandt und voller Humor.

Bärbel Scherf

 


Heinrich Steinfest: »Die Büglerin«, Piper, 288 Seiten, € 20,-, ISBN: 978-3492056632, Lesung am 26. April, 20 Uhr, Buchhandlung Lehmkuhl.

Karten: Tel. (089) 3 80 15 00.

 

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