Genki Kawamura (c) privat

Die Essenz des Lebens

Genki Kawamuras Romandebüt »Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden«

»Neko« ist das japanische Wort für »Katze«. Es steht aber auch in Zusammenhang mit dem gleichlautenden Wort für »schlafendes Kind«, zumindest meint der namenlose Protagonist in Genki Kawamuras erstem Roman Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden das schon einmal gehört zu haben. Dieser – im Übrigen ein Katzenliebhaber – erinnert sehr an ein schlafendes Kind: Unachtsam geht er seinem grauen und einsamen Alltag als Briefträger nach. So lange, bis ihn der Teufel in Gestalt seines gegensätzlichen Doppelgängers »weckt«. Als er ihm eröffnet, dass er bald zu sterben hat, gehen beide einen besonderen Pakt ein: Für jeden Tag, den der Briefträger weiterleben darf, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Der Briefträger lässt sich auf den Handel ein. Nach und nach wird ihm klar, welche Dinge im Leben wirklich von Wert für ihn sind ...

Kawamuras Debüt ist ein poetischer Abgesang auf die Zwänge der Leistungsgesellschaft und stellt die alte Frage nach der Essenz unseres Daseins. Kawamuras Gedankenspiele sind charmant und in eine klare, reduzierte Sprache verpackt, doch kratzen sie nur an der Oberfläche. Man hätte sich bei diesem Thema mehr Tiefgang und Kreativität gewünscht. Dennoch rührt der mit Filmzitaten und lakonischem Humor gespickte Roman an, ohne in Kitsch abzudriften. Man darf gespannt sein, was Kawamura, u. a. Produzent des Thrillers Geständnisse, als Nächstes liefern wird.

Bärbel Scherf


Genki Kawamura: »Wenn Katzen von der Welt verschwänden«, C. Bertelsmann Verlag, 192 Seiten, 18,- €, ISBN 3570103358.

 

 

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