Michael Ondaatje (c) Linda Spalding

Kriegslicht

Michael Ondaatjes packender neuer Roman

»Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren.« Eine verdunkelte Welt im Zeichen des Krieges bietet das Setting für das neue Buch Michael Ondaatjes, das 25 Jahre nach Der englische Patient einem Vergleich mit dem preisgekrönten Werk durchaus standhält. Zuerst verlässt der Vater, dann die Mutter die Familie, während die Kinder in einem englischen Internat zurückbleiben. Einer der Männer, die sich fortan um die Kinder kümmern, ist ihnen nur als »Der Falter« bekannt – ein Mieter aus dem dritten Stock, der eine scheinbar besondere Beziehung zur Mutter pflegt.

Zahlreiche unbekannte Faktoren bevölkern diesen Roman und Nathaniel, der Erzähler und eines der verlassenen Kinder, begibt sich auf die Spur dieser mysteriösen Unbekannten. Er findet zunächst den großen Schrankkoffer im Keller, den die Mutter tagelang in Anwesenheit der Kinder für die große Reise gepackt hatte. Damit nimmt eine Geschichte voller Enträtselungen ihren Lauf, das titelgebende Licht erhellt das Dunkel nach und nach. Ondaatje erzählt diese erstaunliche Geschichte mit einer Detailtiefe, die ihresgleichen sucht. Ein spannender, kurzweiliger Roman – die ideale Lektüre für den beginnenden Herbst.

Bärbel Scherf


Michael Ondaatje: »Kriegslicht«, Hanser, 320 Seiten, € 24,-, ISBN 978-3446259997, Lesung am 12. September, 20 Uhr, Literaturhaus. Karten: Tel. (089) 29 19 34 27.

 

 

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