Lebensrauminszenierung im Bereich »Trias«: Pflasterzahnechse Placodus gigas, Fischsaurier Mixosaurus cornalianus, Nothosaurus (v.l.n.r.) © Veranstaltungs- und Kongress GmbH Rosenheim/Foto: Andreas Jacob

Abtauchen in die Unterwasserwelt

Im Rosenheimer Lokschuppen hat mit »SAURIER – Giganten der Meere« die weltweit größte Ausstellung über Meeressaurier eröffnet.

Die Dinosaurier erhielten spätestens mit dem Abenteuerfilm »Jurassic Park« Anfang der 1990er-Jahre Einzug in unsere Kinderzimmer. Die Meeressaurier stehen dabei etwas im Schatten von T-Rex & Co. Die neue Erlebnisausstellung im frisch sanierten Lokschuppen möchte das ändern. Mit Dr. Bernd Herkner, Direktor des Naturhistorischen Museums in Mainz, konnte der Lokschuppen einen renommierten Saurier-Experten und Paläontologen als Kurator gewinnen.

Herr Dr. Herkner, was ist das Besondere an der »SAURIER«-Ausstellung im Lokschuppen?
BERND HERKNER: Das sind die lebensgroßen Modelle von Meeressauriern, die durch die drei Zeitepochen des Erdmittelalters führen – Trias, Jura und Kreide. Die Inszenierungen mit den Modellen und lebensechten Szenen sind die Erzähllinie dieser Ausstellung.

Welches sind Ihre persönlichen Highlights?
Neben den in Italien gefertigten Modellen und den erlebnisorientierten Inszenierungen sind es die rund 200 Originalexponate und natürlich das Paläoaquarium. Es ist das größte digitale Paläoaquarium Europas mit einer Fläche von über zwölf Metern Breite und vier Metern Höhe mit virtuellen Meeressauriern, die in einer Unity-Umgebung in Echtzeit programmiert wurden.

Die Ausstellung beleuchtet den Zeitraum des Erdmittelalters, also den Zeitraum vor 252 bis 66 Millionen Jahren. Das kann man sich kaum vorstellen. Wie sah unser Globus damals aus und welches Klima herrschte damals?
In der Trias gab es nur einen einzigen Kontinent, und um ihn herum breitete sich ein einziger riesiger Ozean aus. Am Ende der Trias brach dieser Kontinent auseinander, und es entstanden zwei Kontinente: Laurasia im Norden und Godwana im Süden. Europa gehörte zu Laurasia. Im Jura und der Kreide war Europa eine Insellandschaft. Durch warmes Klima in diesen Erdzeitaltern lag der Meeresspiegel um einiges höher als heute, im Extremfall um fast 200 Meter. Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen – Europa eine Insellandschaft und der größte Teil von Nordamerika lag unter Wasser. Nur im Osten und im Westen gab es Land. In der Kreide zerbrachen die beiden Kontinente weiter und ein neuer Ozean entstand dazwischen, der Atlantik. Die Kontinente nahmen mehr und mehr ihre heutige Lage ein

Dinosaurier lebten an Land, Meeressaurier in den Ozeanen. Gab es beide »Sorten« von Sauriern gleichzeitig? Und wie haben sich die Meeressaurier zu den Zeiten von Trias, Jura und Kreide entwickelt?
Ja, es hat beide gleichzeitig gegeben. Alle Meeressaurier stammen von Landtieren ab. Das zeigt sich allein schon darin, dass sie mit Lungen atmen. Die Besiedelung des Meeres fand während des Erdmittelalters ausgehend von unterschiedlichen Landsaurierarten immer wieder statt. Zum Teil kennen wir die Vorfahren nicht. Im Fall der Mosasaurier wissen wir, dass es dem Waran ähnliche Echsen waren, die das Meer eroberten. 

22 Modelle, darunter eine Riesen-Schildkröte, ein Krokodil und der größte Raubsaurier, der Spinosaurus, führen plastisch vor Augen, wie die Meeressaurier ausgesehen haben könnten.
Aber woher wissen wir, dass es sie gab, und dass sie so ausgesehen haben?

Es gibt komplette Skelette von den Meeressauriern. Da der Aufbau bei den Wirbeltieren ähnlich ist, und auch die Muskulatur grundsätzlich ähnlich aufgebaut ist, können wir durch die vergleichende Anatomie eine ganze Menge rekonstruieren. Zum Teil gibt es auch Abdrücke von der Haut, so dass wir auch wissen, wie die Tiere »außen rum« ausgesehen haben. Nur die Farbe können wir nicht genau bestimmen. Das ist dann, wie ich zu sagen pflege, begründete Fantasie. Heutige Meerestiere – egal ob das ein Wal oder ein Hai ist – sind in der Regel unten heller und oben dunkler, weil Fressfeinde sie so jeweils von unten und von oben schlechter sehen können. Deshalb ist es keine Fantasie, wenn wir zeigen, dass die Meeressaurier unten heller sind als oben. Aber die Farbgebung selbst, ob gesprenkelt oder gestreift, das ist der künstlerischen Freiheit überlassen.

Wie wird die Ausstellung »SAURIER – Giganten der Meere« zu einem Erlebnis für die Besucher*innen?  
Abgesehen vom ansprechenden Design erweckt die Ausstellung SAURIER – Giganten der Meere den Eindruck, dass man abtaucht in eine Unterwasserwelt. Allein der Gang durch die drei Epochen Trias, Jura und Kreide ist ein Abenteuer, weil die Ausstellung erlebnisorientiert inszeniert ist. Wir haben ein eigenes „Saurier-Center“ mit vielen Mitmach-Möglichkeiten, zum Beispiel das Saurier-Röntgen. Das ist sicher ein Highlight, weil man sehen kann, wie ein Saurier „innen“ drin aussieht. In der „Forscherwerkstatt“, können die Besucher noch einmal ihr Wissen vertiefen und selbst etwas interaktiv erleben. 


SAURIER – Giganten der Meere. 26. September 2019 bis 13. Dezember 2020, Lokschuppen Rosenheim. Öffnungszeiten und Karten unter www.lokschuppen.de.

 

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