Lucia Lacarra und Josué Ullate (c) FERNANDO MARCOS_WWW.ARTEFIMERO.ES

Eine Herzensangelegenheit

Auch in ihrer vierten Ballettgala präsentiert Kumiko Noshiro internationale Stars.

Kumiko Noshiro, die Leiterin der Munich International Ballet School, liebt Ballett, Kunst und alles, was ästhetisch ist. Deshalb veranstaltet sie jetzt zum vierten Mal eine Gala, die wieder viel verspricht. Denn sie erklärte: »Für mich ist es immer interessant, die Leute auszusuchen, die mir wirklich am Herzen liegen. Das sind nicht nur technisch große Künstler, sondern sie stehen auch für eine innere Haltung und machen aus ihrem choreografischen Material etwas Besonderes, sodass sie das Publikum mit klassischem und modernem Tanz begeistern können. Die Mischung von beidem ist meine Leidenschaft.«

So ist es nur folgerichtig, dass sie für ein Wiedersehen mit Lucia Lacarra sorgt. Deren großzügige Art, im Tanz so viel von sich zu geben, berührt das Publikum, wie es seit ihrem Abschied vom Bayerischen Staatsballett (BSB) in München unerreicht blieb. Weiterhin weltweit gefragt, kehrt sie nach der Trennung von Marlon Dino nun erstmals mit ihrem neuen Tanzpartner Josué Ullate in die Stadt zurück, die eigentlich ihre Heimat werden sollte. Beide tanzen zu George Bizets symphonischer Musik plus Percussion von Pedro Navarrete einen Ausschnitt aus der Carmen-Version von Víctor Ullate, die sich ohne Folklore auf das Zeitlose des Stoffes konzentriert. Der Vater ihres Partners schuf sie 2018 als letztes Werk seiner 60 Jahre langen Karriere als Tänzer, Schulleiter, Choreograf, Gründer und Direktor einer eigenen Company. Lucia Lacarra übernahm von ihm aus Dankbarkeit am Anfang dieser Spielzeit die künstlerische Leitung des Víctor Ullate Balletts in Madrid, wo ihre steile Karriere begann, als sie mit 16 Jahren für eine Solistin einsprang – bis er sein größtes Talent wenig später uneigennützig in die Welt ziehen ließ.

Vor ihr war Maria Eichwald erklärter Publikumsliebling am BSB. Sie sagte: »Ich habe am Teatro San Carlo in Neapel mit Alessandro Staiano die Premiere von Cinderella getanzt. Er ist ein guter Partner und ich mag ihn. Sein Direktor Giuseppe Picone ließ sich von Rachmaninows Elegie zu einem neoklassischen Pas de deux inspirieren. Den habe ich mit Alessandro einstudiert und für die Gala ausgewählt, weil er mir sehr gefällt und mich die Musik begeistert.« Wer weiß, wie Maria Eichwald tanzend die Musik auskostet, freut sich schon jetzt darauf. Katherina Markowskaja und Maxim Chashchegorov, auch ehemals am BSB, kreisen mit Yuka Oishi, deren Sacré für Sergei Polunin im Rahmen von À Jour – Zeitgenössische Choreografien bald auch am BSB zu sehen ist, um einen blauen Engel. Auf diese Idee kam die japanische Choreografin durch ein Gemälde von Paul Klee. »Wir sind jetzt auf der Suche nach einer Sprache, die diese Kreatur sprechen könnte, fast blind, nur mit minimaler Körpersprache und mit etwas Witz. Bis zur Uraufführung finden wir auch den Titel.«

Kumiko Noshiro gibt nicht nur Anstöße zu neuen Stücken. »Meine Galas geben mir auch Gelegenheit, Tänzerinnen und Tänzer zusammenzubringen, wie jetzt wieder Natasha Kusch und Matthew Golding. Wie sie wohl dieses Mal zusammen aussehen? Das gleiche Stück hat ja jedes Mal, wenn andere es tanzen, eine ganz andere Farbe und eine Tänzerin mit einem neuen Partner auch.« Dass Tänzer anders aussehen können, bestätigt unser Foto von Matthew Golding, den man bisher als schwarz befrackten Gatten Anna Kareninas kennt. Er wird in Pas de deux aus Marius Petipas Giselle und Le Corsaire zur Musik Adolphe Adams für Natasha Kusch ein starker Partner sein.

Vom Miami City Ballet kommen Emily Bromberg und Rainer Krenstetter mit einem Ausschnitt aus Vladimir Malakhovs Cinderella, vom Portugiesischen Nationalballett Filipa de Castro und Carlos Pinillas mit Remi Wortmeyers As We Are. Und Peter Breuer, den man, als sein Ballett des Salzburger Landestheaters 2017 im Deutschen Theater gastierte, in Ballet'n'Blues auch als Meister des Groove bewundern konnte, schickt Karine de Matos und Diego da Cunha, damit sie mit atemberaubenden Hebungen in Asaf Messerers Spring Waters ihre Virtuosität beweisen und dann aus seinem Moonwalk, das im März Premiere hatte, zu Bach und Michael Jackson tanzen.

Karl-Peter Fürst

4. Ballettgala mit internationalen Stars. 23. Juni, 19 Uhr, Carl-Orff-Saal, Gasteig. Karten: München Ticket . Informationen: Munich International Ballett School, Tel. (089) 55 08 89 55.

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