Das Ballettensemble des Gärtnerplatztheaters lotet in extravaganten Choreografien und ebensolchen Kostümen physische und psychische Grenzen aus (c) Marie-Laure Briane

Gefährdete Liebe

Radikale Neuinszenierung: Prokofjews »Romeo und Julia« am Gärtnerplatztheater

Die Tänzerinnen und Tänzer treten vor den Vorhang. Über ihre Nacktanzüge haben sie überdimensionierte Oberschenkel, Schultern, Sixpacks oder Hinterteile aus Schaumstoff geschnallt. Nacheinander stellen sie sich und ihre Rollen vor – und schon ist klar, dass man es hier nicht mit einer klassischen Romeo-und-Julia-Choreografie zu tun haben wird. Die Tänzer spielen mal eine Kirche, mal den Schmerz von Julia oder gleich »all the people, who died for loving the wrong people«. Die isländischen Choreografinnen Erna Ómarsdóttir und Halla Ólafsdóttir wollen im Gärtnerplatztheater zur Musik von Sergej Prokofjews nicht einfach Romeo und Julia erzählen, sondern vielmehr eine universelle Geschichte vom Leiden – und der Lust – an der Liebe.

Nun, da man weiß, woran man ist, formieren sich zu den Klängen Prokofjew menschliche Tableaus. Und irgendwie finden sich in ihnen all die Motive, die Shakespeares Drama ausmachen: Begehren, Liebe, Gewalt und Hass. Liebende und Lauernde begegnen sich in immer neuen Konstellationen, Elemente klassischer Choreografien treffen auf testosteronschwangeres Gebaren und umgeschnallte Riesenbrüste. Grenzen zwischen den Geschlechtern, Körpern und Rollen werden obsolet. Während sie tanzen, posen und springen, atmen sie laut und rhythmisch. Dieser Tanz – und das von ihm präsentierte L(i)eben – ist nicht leise, leicht und elfengleich, er ist körperlich, anstrengend und allzu menschlich. Die hier tanzen, sind Menschen aus Fleisch, das willig ist, und Blut, das immer wieder fließt.

Anne Fritsch

 

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft Ausgabe 01/02 2019.


Romeo und Julia. Tanzperformance von Erna Ómarsdóttir und Halla Ólafsdóttir. Nächste Vorstellungen am 6., 12., 16. und 24. Januar, Staatstheater am Gärtnerplatz. Karten: Tel. (089) 21 85 19 60.

 

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