Richard Siegals Cross-over-Spektakel »Roughhouse« (c) Thomas Schiermer

Warum sollen wir tanzen?

Kommunikation und Urbanität als Motto von DANCE 2019 

Das Internationale Festival für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München steht in diesem Mai zum vierten Mal hintereinander unter der künstlerischen Leitung von Nina Hümpel. Auf aktuelle Trends wie Hate Speech und Fake News sowie weltweite gesellschaftliche Spaltungen reagierend, ließ sie sich bei der Zusammenstellung des Programms von der Frage leiten »Wie wollen wir zusammenleben und kommunizieren?«. Fünf internationale Gastspiele und fünf Uraufführungen mit über 120 KünstlerInnen aus der ganzen Welt untersuchen deshalb, wie wir alle in gegenseitigem Austausch stehen, wie wir Kommunikationsstrukturen bilden und wie wir ihnen auch ausgesetzt sind. Sie werden in rund 50 Vorstellungen den zeitgenössischen Tanz in seiner ganzen Vielfalt zwischen politischem Anspruch, Interdisziplinarität und virtuoser Kunst feiern und mit selbstkritischem Humor fragen: »Warum sollen wir eigentlich tanzen?« 

Spektakuläre Eröffnung dieser 16. Tanz-Biennale: Nach 45 Jahren in Europa, nach der Abwicklung des Balletts Frankfurt, dem Rückzug aus The Forsythe Company 2015 und seiner Rückkehr in die USA choreografierte William Forsythe zum 20. Geburtstag des Sadler’s Wells London vorigen Oktober A Quiet Evening of Dance. Berühmt für die Dekonstruktion des klassischen Balletts und die Erweiterung der Möglichkeiten des Tanzes, lässt er mit sechs seiner ehemaligen Tänzer nach genüsslicher Auflösung aller Hierarchien den Barock Ludwigs XIV. auf Hip-Hop mit Rauf »RubberLegz« Yasit treffen. Nach diesem Highlight im Carl-Orff-Saal geht es in der Muffathalle weiter: Minutemade for DANCE, der exklusive Festivalbeitrag des GКrtnerplatztheaters, zeigt Uraufführungen von Kat Válastur, Daina Ashbee und Eisa Jocson. Dort folgen zwei weitere Programme: Fúria von Lia Rodrigues ist wie alle Stücke der brasilianischen Choreografin in einer Favela nahe Rio de Janeiro entstanden und untersucht mit acht TänzerInnen, in welchen Formen man dort weitermachen und würdig handeln kann. Endlich wird auch Roughhouse, das neue Cross-over-Spektakel von Richard Siegal und seinem Ballet of Difference, das mit dem Ensemble Schauspiel Köln koproduziert wurde, erstmals in München gezeigt. 

Im Rio Kino 1 wird der Dokumentarfilm Draw a Line von Benedict Mirow uraufgeführt, der mehr von Richard Siegals impulsiv-optimistischer Arbeit zeigt. An drei Tagen ermöglicht das von Katja Schneider konzipierte Symposium Kontext / Kollisionen Resonanz auf die Beiträge des DANCE-Festivals selbst. Dazu kommen weitere Performances von Münchner Playern wie Jasmine Ellis und Ceren Oran oder Gästen wie YangZhen, Gisèle Vienne und Peter Troztmer/Zack Settel im MUCCA, im Schwere Reiter oder im Carl-Orff-Saal, wo die französische Choreografin Marie Chouinard mit ihren zehn TänzerInnen Les 24 PrОludes de Chopin und Henri Michaux: Mouvements zeigt. 

Münchens Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers: »Verortet ist das DANCE-Festival in der ganzen Stadt, aber sein innovatives Herz schlägt im Kreativquartier. Hier, wo in den nächsten Jahren ein neues kulturelles Zentrum der wachsenden Stadt entsteht, haben viele Kreative ihre Heimat, hier wird performt und getanzt, diskutiert und gefeiert – hier spielt die Zukunft. Und Zukunft braucht Herkunft.« Auf einer DANCE History Tour führen Brygida Ochaim und Thomas Betz mit dem Fahrrad zu Orten, an denen München schon früh dank Isadora Duncan, Alexander Sacharoff, Rudolf von Laban, Mary Wigman und anderer als eine der wichtigsten Geburtsstätten des freien Tanzes leuchtete. Und am finalen Wochenende lockt Come Together! Right Now! zu einer Veranstaltungsreihemit Tanz, Performance, Diskurs und partizipativer Clubnacht ins Kreativquartier.

Karl-Peter Fürst

 

DANCE 2019.
16. Internationales Festival für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München.
16.-26. Mai.
Karten/Informationen: Tel. (089) 8 92 80 56 07 und dance-muenchen.de.

 

 

 

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