Viktor (Markus Beisl) und Mary Shelley (Judith Bopp) © Veranstalter

Mary Shelley's »Frankenstein«

Andreas Seyferth bringt den Horror-Roman auf die Bühne des Theaters Viel Lärm um Nichts.

Viktor will wissen. Ist hochintelligent und extrem neugierig. Irgendwann besessen von der Idee, Totes zum Leben zu erwecken. Als es ihm (er ist inzwischen Student in Ingolstadt) schließlich gelingt, seine »Komposition« ins Leben zu befördern, packt ihn das Grausen: Was er sieht, ist das abgrundhässliche Zerrbild eines Menschen. Eine Katastrophe. Angeekelt überlässt er »das Monster« sich selbst – in der Hoffnung auf sein baldiges Verenden; flüchtet sich in Krankheit, lässt sich vom besten Freund gesundpflegen und verdrängt das Ganze. Bis Horrornachrichten aus der Heimat kommen: sein kleiner Bruder wurde ermordet, der Mord einem Hausmädchen angedichtet. Viktor meint den Mörder zu kennen …

Erinnere dich: ich bin dein Geschöpf: ich sollte dein Adam sein; doch bin wohl eher der gefallene Engel, den du verstoßen hast – für keine Missetat.

Kreatur

Viktor, der wohlbehütete Spross einer angesehenen Genfer Familie, und seine Kreatur, die einsamste Gestalt, die je die Welt durchstreifte: Ihre Begegnung – passenderweise auf dem »Mer de Glace« am Mont Blanc – ist das Zentrum des Romans. Das Geschöpf, seinem Schöpfer in jeder Hinsicht überlegen (insofern war Viktors Grenzüberschreitung – außer in ästhetischer Hinsicht – von Erfolg gekrönt), dessen kurzes Leben ein einziger Schrei nach menschlicher Nähe ist; und der sich isolierende Wissenschaftler, der Gott spielt, aber keine Verantwortung übernimmt für das Geschaffene: Sie treffen eine Vereinbarung. 

Am Ende, vereint in Hass und Rachsucht, einer des anderen »Schatten«, liefern sie sich einen Showdown auf brüchigem Eis in den Wüsten des arktischen Ozeans. Die obsessive Jagd mündet jedoch nicht in den von Viktor so ersehnten Kampf Mann gegen Mann …

Leben Tod. Tod Leben. Die Grenzen durchbrechen. Ströme des Lichts in unsre dunkle Welt ergießen. Eine neue Spezies nennt mich Ursprung und Erzeuger. Glückliche und exzellente Wesen danken mir ihr Dasein. Wer hätte höheren Anspruch auf Dankbarkeit als ich. Später vielleicht Leben erneuern. Aus den Fängen der Fäulnis zurück ins Leben …

Viktor

Im Mittelpunkt der Inszenierung von Andreas Seyferth steht ein kreativer weiblicher Geist: Mary Shelley, die Schöpferin von Schöpfer und Geschöpf, der wir beim Schaffen ihres zeitlosen Werkes über die Schulter schauen.

Mit Judith Bopp, Markus Beisl, Arno Friedrich, Patricia Ivanauskas, Sven Schöcker und Daniel Wittmann.


Uraufführung am 16. Januar 2020, 20 Uhr, Theater Viel Lärm um Nichts in der Pasinger Fabrik. Vorstellungen bis 28. März 2020, jeweils Do., Fr. und Sa. Karten über www.muenchenticket.de. Weitere Infos auf www.theaterviellaermumnichts.de.

Theater

V.l.: Irene Rovan, Theresa Peters, Ante Brekalo, Axel Röhrle und Sophie Wendt © Lorenz Seib

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