Jonathan Müller spricht das Publikum auch mal direkt an (c) Gabriela Neeb

Endstation Sehnsucht

Philip Klose wirft in »Das blaue blaue Meer« einen Blick auf die Verlierer unserer Gesellschaft.

Ein »Biotop der Perversionen« nennt Autor Nils-Momme Stockmann die Plattenbausiedlung, in der sein Stück Das blaue blaue Meer spielt, das 2010 in Frankfurt uraufgeführt wurde. Eine anonyme Ansammlung von Wohnblocks, in denen die Verlierer der Gesellschaft saufen, sich missbrauchen, prostituieren oder gar umbringen. Ein Schwarz-Schwarz-Bild von denen, die nicht dazugehören, die nur dann und wann in negativen Schlagzeilen auftauchen. Stockmann hebt sie ins Rampenlicht, erzählt von sozialer Ungerechtigkeit und Chancenungleichheit. Es ist wichtig, solche Themen gerade in diesen Zeiten gerade in dieser Stadt auf die Bühne zu bringen. Der (ehemalige) Regieassistent Philip Klose tut das nun in seiner Abschlussinszenierung auf der kleinen Bühne des Münchner Volkstheaters.

Im Zentrum steht Darko, der säuft und von den Sternen träumt, die er nicht sieht. (Warum, weiß man nicht genau, denn der Himmel immerhin ist ja für alle derselbe.) Der sich das Leben nehmen will und in genau diesem Augenblick auf Motte trifft, die alles ändert. Oder zumindest ein klein wenig. Denn auf einmal ist so etwas wie Hoffnung da. Ein Mensch, der sich für ihn interessiert.

Stockmanns Stück entwickelt die Plattensiedlungs-Welt um diese zwei Figuren. Klose lässt seine drei Schauspieler, Jonathan Müller, Mauricio Hölzemann und Lavinia Nowak, in Nacktanzügen aus zerschnittenen, hautfarbenen Strumpfhosen auftreten. Eine klare Rollenzuschreibung gibt es nicht, alle sind mal Erzähler, mal Figur, mal Kommentator. Elisabeth Pletzer hat einen variablen Raum aus verschiebbaren Plastikwänden gebaut. Im Inneren hängen Altkleider, vakuumiert in Plastikbeuteln. Überbleibsel von denen, die es nicht geschafft haben?

Anne Fritsch

Den kompletten Artikel finden Sie im Applaus-Heft 07-08/2018


Nils-Momme Stockmann: Das blaue blaue Meer. Nächste Vorstellung am 16. Juli, 20 Uhr, Volkstheater, Kleine Bühne. Karten: Tel. (089) 5 23 46 55.

 

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