Die MitarbeiterInnen und Studierenden der Theaterakademie August Everding vor und im Prinzregententheater © Jean-Marc Turmes

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»Wir sind die Zukunft« - Die Theaterakademie August Everding feiert ihr 25-jähriges Bestehen.

Wer vor den Vorstellungen oder in den Pausen aufmerksam den Blick über die Deckengemälde des Prinzregententheaters schweifen lässt, kann ihn bei genauerer Betrachtung früher oder später noch entdecken. Wurde der Prinzipal bei der Restaurierung »seines« Hauses dort oben doch gleich mehrfach verewigt. Aber auch abseits dieser kleinen Verneigungen vor einem großen Theatermann weht der Geist von August Everding an mehr als einer Ecke noch immer spürbar durch die Räumlichkeiten der Theaterakademie, die heute seinen Namen trägt. Mehr als einer der hier Lehrenden hat selbst noch mit Everding gearbeitet, sodass die Anekdoten auch knapp zwei Jahrzehnte nach seinem Tod nur selten ausgehen. So wie sein berüchtigter Ausspruch, ihn interessieren keine Menschen, die behaupten, das Theater zu lieben. Sondern die, die damit Probleme haben und etwas ändern wollen. Ein Credo, das der aktuelle Akademie-Präsident Hans-Jürgen Drescher nachvollziehen kann. »Ich würde es vielleicht nicht ganz so extrem ausdrücken, denn um Theater machen zu können, muss man es auch lieben. Aber das allein genügt natürlich nicht, und das war es glaube ich, was er damit sagen wollte.« Schließlich darf ein Theater nicht zum Museum werden, sondern muss lebendig und am Puls seiner Zeit bleiben.

Wichtig ist Drescher dabei vor allem, dass seine Studierenden immer wieder Gelegenheit bekommen, sich in der Praxis auszuprobieren. »Ich denke, dass mittlerweile auch dem Publikum viel bewusster ist, was wir hier als Akademie das ganze Jahr über alles machen. Lange war es ja eher das Prinzregententheater, das schon aufgrund seiner eindrucksvollen Fassade am meisten wahrgenommen wurde. Aber trotz all der wunderbaren Veranstaltungen, die wir im großen Haus haben, schlägt das eigentliche Herz eben doch im Akademietheater.« Die flexible Experimentierbühne wird auf Dreschers Initiative hin seit über zwei Jahren regelmäßig mit den unterschiedlichsten Projekten aller Studiengänge bespielt. Allein 160 Vorstellungen, die hier in der zurückliegenden Saison von 25.000 Zuschauern besucht wurden.

Stolz sind Drescher und sein Team aber nicht nur aufgrund der gesunden Auslastungszahlen. Ebenso freut man sich über die Kooperation mit zwei renommierten Münchner Klangkörpern, die auch in der neuen Saison wieder bei den großen Musiktheaterproduktionen im Graben sitzen werden. So kommt etwa das Münchener Kammerorchester im Rahmen einer von Bruno Klimek erarbeiteten Inszenierung von Mozarts Così fan tutte zum Einsatz, bei der die Ankündigung einer komprimierten und neu übersetzten Neufassung durchaus neugierig stimmt.

Eng verbunden bleibt man daneben aber weiterhin auch dem Münchner Rundfunkorchester, das im kommenden Frühjahr bei der Ausgrabung von Saint-Saens Oper L’Ancêtre einen erneuten Abstecher ins Prinzregententheater unternimmt und zuvor bereits seine Vielseitigkeit bei Rodgers & Hammersteins Cinderella unter Beweis stellen darf. Denn wie könnte man August Everdings Geburtstag am 31. Oktober besser feiern als mit einer großen Premiere. Dass dem Münchner Musical-Nachwuchs damit erneut eine deutsche Erstaufführung anvertraut wurde, ist auch für Studiengangsleiterin Marianne Larsen ein eindrucksvoller Beweis für das Vertrauen der Verlage, das man sich über die Jahre hinweg hart erarbeitet hat. Ein Wiedersehen gibt es bei diesem Prestigeprojekt nicht nur mit Regisseur Andreas Gergen, der an gleicher Stelle bereits Big Fish erfolgreich mit den Studierenden auf die Bühne gebracht hat, sondern ebenso mit den Absolventen Miriam Neumaier und Jörg Neubauer, die hierfür nach München zurückkehren, um den aktuellen Master-Studiengang zu unterstützen. In Zeiten, in denen bei großen kommerziellen Musical-Produktionen der Rotstift meist zuerst im Graben angesetzt wird, darf man sich hier aber wohl vor allem auf den luxuriösen Sound des Rundfunkorchesters freuen, das die üppig schwelgenden Melodien dieses Broadway-Klassikers zum Leuchten bringen darf. »Die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Rundfunkorchester ist auf jeden Fall ein ganz großes Plus, das sonst kaum eine Hochschule hat.« Dessen ist sich auch der Akademiepräsident wohl bewusst. »Und wenn dann für ein Projekt wie unsere Bernstein-Gala im letzten Februar noch ein Dirigent wie Wayne Marshall am Pult steht, dann ist das nur schwer zu überbieten. Er ist nämlich nicht nur ein ausgewiesener Spezialist für die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein wunderbarer Lehrer und Impulsgeber, von dem unsere Studierenden – sowohl aus der Oper wie auch aus dem Musical – enorm profitiert haben.«

Tobias Hell

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 10/2018


Cinderella. Musical von Rodgers & Hammerstein. Premiere am 31. Oktober, 19.30 Uhr, Prinzregententheater. Weitere Vorstellungen von 2. bis 5. November. Karten: Tel. (089) 21 85 19 70.

 

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