Nils Kahnwald, Maja Beckmann, Benjamin Radjaipour (c) Julian Baumann

Berauschendes Fest

Die Brutalität des Krieges als körperliche Erfahrung: Christopher Rüping gelingt mit seinem zehnstündigen Antiken-Marathon »Dionysos Stadt« der ganz große Wurf.

Da ist er: der ganz große Coup der Münchner Kammerspiele unter Matthias Lilienthal. Anstatt klein beizugeben, jetzt, da feststeht, dass seine Intendanz nach der nächsten Spielzeit endet, gibt es ein Mega-Projekt: Hausregisseur Christopher Rüping inszeniert einen zehnstündigen Antiken-Marathon mit dem Titel Dionysos Stadt. Ein Theaterfest wie im antiken Griechenland: drei Tragödien und ein Satyrspiel. Rüping spannt den ganz großen Bogen von den ersten Menschen bis zur Einführung einer Gerichtsbarkeit, verwebt Texte von Heiner Müller, Homer, Euripides, Sophokles, Seneca und Aischylos zu einem dichten Antiken- Geflecht. Damit das Unterfangen nicht zur Pein wird, gibt es drei Pausen – und richtig viel zu sehen.

Um den Menschen also geht es, um seine Vormachtstellung auf der Erde – und darum, was er daraus macht. Den Anfang macht der Titan Prometheus, der den Menschen gegen den Willen des Zeus das Feuer – und damit eine Vormachtstellung gegenüber den Tieren – brachte. Über einer noch ziemlich leeren und kargen Bühne (Jonathan Mertz) schwebt Benjamin Radjaipour in einem Käfig. In unregelmäßigen Abständen wird er mit weißer Farbe bespritzt, dem Kot des Adlers, der täglich in seiner Leber hackt. Die Strafe des Zeus. Man hört nur den Wind und das Mäh der Schafe (gespielt von Schauspielern mit übergeworfenen Fellen), die unter ihm die Bühne kreuzen und hie und da einen unmotivierten Versuch der Fortpflanzung unternehmen. Eine kleine Ewigkeit lang. Majd Feddah spielt den Zeus, der ihn bestraft hat: »You gave them the fire, and they will give us a war«, prophezeit er.

Anne Fritsch

Den vollständigen Artikel finden Sie im Applaus-Heft 11/2018.


Dionysos Stadt. Nächste Vorstellungen am 24. November, 13 Uhr, 25. November, 12 Uhr, Kammerspiele, Kammer 1. Karten: Tel. (089) 23 39 66 00.

 

Theater

v. l. Sophie von Kessel, Norman Hacker, Genija Rykovan © Matthias Horn

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